CO2 Label für Lebensmittelprodukte -Projekt ‚Entwicklung einer Kennzeichnung der transportbezogenen CO2 Emissionen von Lebensmittelprodukten‘ im Auftrag der Agrarmarkt Austria

Burger E., Giljum S., Ebener A., Pladerer C., Manstein C. (2008)

Damit KonsumentInnen die Möglichkeit erhalten, ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt beim täglichen Einkauf wahrzunehmen, sind bewusstseinsbildende Maßnahmen von zentraler Bedeutung. Da KonsumentInnen nicht viel Zeit für ihren täglichen Lebensmitteleinkauf aufwenden möchten, sind Zertifizierungen eine zeitsparende Entscheidungshilfe. Ein transportbezogenes CO2 Label wäre ein deutlich sichtbares Symbol für kurze Transportwege und damit implizit auch für eine relativ geringe Klimabelastung durch den Transport. Allerdings würden diese positiven Effekte nur erreicht, wenn das Siegel leicht verständlich, prägnant und gut sichtbar ist.

Die Diskussionen um die Kennzeichnung von Produkten hinsichtlich ihrer Klimawirksamkeit haben im letzten Jahr in ganz Europa einen deutlichen Aufschwung verzeichnet (siehe z.B.: Öko-Institut1). Im Rahmen des ORF Themenschwerpunkts „Ernährung“ veranstaltete die Agrarmarkt Austria (AMA) gemeinsam mit dem Lebensministerium am 16. März 2007 eine Pressekonferenz, bei der eine von SERI erstellte Studie zur CO2 Belastung durch den Transport von Lebensmittelprodukten vorgestellt wurde.

Die AMA Marketing möchte das Thema „Klimaschutz und Transport“ stärker in das Bewusstsein der KonsumentInnen rücken und plant aus diesem Grund eine Kennzeichnung von Lebensmitteln hinsichtlich des beim Transport anfallenden CO2 Ausstoßes. Damit das der Kennzeichnung zu Grunde liegende Konzept aus wissenschaftlicher Sicht solide und transparent ist und den internationalen Standards entspricht, hat die AMA Marketing ein ExpertInnenteam zur Beratung herangezogen. Das ExpertInnenteam besteht aus Dipl. Ing. Christopher Manstein (Faktor 10 Institut), Dipl. Ing. Christian Pladerer (Österreichisches Ökologie-Institut), Mag.a Andrea Ebner (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik)
sowie Dr. Stefan Giljum und Mag.a Eva Burger (Sustainable Europe Research Institute).

Ziele und Ablauf des Projektes

Ziel des Projektes war es, grundlegende Fragen zur Konzeption und Implementierung eines CO2 Labels für Lebensmittelprodukte auf Basis derzeitiger Europäischer Entwicklungen zu diskutieren und einen Vorschlag für eine transportbezogene AMA CO2 Kennzeichnung zu entwickeln. Im Projektzeitraum zwischen August 2007 und März 2008 haben drei Workshops mit der Geschäftsführung der AMA Marketing (Dr. Stephan Mikinovic), der ExpertInnenrunde sowie der PR-Agentur Haslinger-Keck PR stattgefundenen. In den Workshops wurden die folgenden zentralen Fragen diskutiert:

• Welche Produkte sollen gekennzeichnet werden?
• Werden die CO2 Emissionen der Produktion einbezogen?
• Welche Transportwege werden berücksichtigt?
• Kann man ein Österreich-weites Label für ein Produkt einführen oder muss eine regionale Differenzierung vorgenommen werden?
• Soll das Label nur für österreichische Produkte vergeben werden?
• Welche Bezeichnung wäre für ein transportbezogenes CO2 Label ideal?
• Wie kann eine solide Berechnung der Transportemissionen durchgeführt werden?
• Wo soll der Betrachtungsraum der Berechnung abgegrenzt werden?
• Welche Kriterien sollten Produkte erfüllen, um die Kennzeichnung zu erhalten?
• Welche Stakeholder sollten in den Prozess mit eingebunden werden?
• Durch welche Institutionen soll eine transportbezogenes CO2 Kennzeichnung implementiert werden?

Im Verlauf dieser Workshopreihe hat die AMA Marketing die Expertengruppe beauftragt, die Machbarkeitsstudie „Kennzeichnung transportbedingter CO2 Emissionen von Lebensmittelprodukten“ durchzuführen. Die Machbarkeitsstudie beinhaltete drei inhaltliche Schwerpunkte:

• Zusammenfassung und Analyse der Ergebnisse diverser Studien zu den lebenszyklusweiten Emissionen von Lebensmitteln (Literaturrecherche durchgeführt von ÖGUT und ÖÖI)
• Gegenüberstellung transportbedingter CO2 Rucksäcke importierter und heimischer Produkte (Berechnungen durchgeführt vom Faktor 10 Institut)
• Befragung der ProduzentInnen und GroßhändlerInnen von fünf Beispiel-Produktgruppen (Äpfel, Erdäpfel, Eier, Milch, Rindfleisch) zu ihren durchschnittlichen kumulierten Transportstrecken (Befragung anhand eines von der ExpertInnengruppe ausgearbeiteten Fragebogens; durchgeführt von SERI)

Basierend auf den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie, der Expertise der ExpertInnengruppe und den Ergebnissen des Diskussionsprozesses in den Workshops wurden grundsätzliche Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Konzeption eines CO2 Labels für Produkte ausgearbeitet.

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