Nachhaltiges Obst und Gemüse II

Nachhaltiges Obst und Gemüse II – Pilotphase des Nachhaltigkeitsprogramms für Obst und Gemüse bei REWE International

Gemeinsam mit Caritas und GLOBAL 2000 hat die REWE International ein Verfahren zur Bewertung und Kennzeichnung der Nachhaltigkeit konventionell hergestellter Lebensmittel entwickelt. Mit dem Label werden solche Produkte gekennzeichnet, die die Umwelt während ihrer Herstellung, Verarbeitung oder Verwendung deutlich weniger belasten und deren Produktionsbedingungen internationalen sozialen Standards entsprechen. Als Orientierungshilfe für nachhaltigeren Konsum signalisiert es den KonsumentInnen, dass die Produkte einen messbaren Beitrag zum nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen leisten.

SERI hat als wissenschaftlicher Partner in diesem Projekt das Konzept zur ökologischen Nachhaltigkeitsbewertung mitentwickelt und in der Screeningphase einige Pilot-Berechnungen durchgeführt.

Basis des Prozesses ist die Bewertung von Nachhaltigkeitsindikatoren, insbesondere jener der sogenannten “ökologischen Rucksäcke”, welche von SERI exemplarisch berechnet wurden. Für die gesamte Kette von Produktion, Lagerung, Verpackung und Transport werden dabei folgende Indikatoren analysiert: Wasser Rucksack, Flächenbedarf, Nutzung von nicht-erneuerbaren Ressourcen (abiotischer Material Rucksack), Nutzung natürlicher Rohstoffe (biotischer Material Rucksack) und CO2-Fußabdruck. Über den “ökologischen Rucksack” hinaus werden einige rein landwirtschaftliche Indikatoren (REPRO System von INL) gemessen, z.B.: Stickstoffbilanz, Phosphor-Bilanz, Humusbilanz und Pflanzenschutzintensität.

Die Vorgehensweise der Analyse des SERI-Indikatoren-Sets verlief in diesem Projekt folgendermaßen:

  1. Datenerfassung über den gesamten Produktionsprozess (beginnend mit dem Anbau, über die Verpackung, Lagerung und Transport bis hin zur Filiale) bei allen am Nachhaltigkeitsprogramm NHP teilnehmenden Produzenten
  2. Berechnung des SERI-Indikatoren-Sets über die gesamte Prozesskette.
  3. Bewertungsfunktionen werden von GLOBAL 2000 und der Caritas festgelegt, unterstützt durch die ständigen wissenschaftlichen Partner “Privates Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung” (INL) und SERI sowie im Dialog mit weiteren ExpertInnen, Interessensvertretern und Stakeholdern. Die Bewertungsfunktionen definieren für jeden Indikator einen Toleranzbereich (Cut-Off-Kriterium) und einen Zielbereich (“Nachhaltigkeits-Orientierungswert”).
  4. Produzenten, die in keinem der Indikatoren des NHP außerhalb des Toleranzbereichs liegen und deren Mittelwert über alle Indikatoren innerhalb des Zielbereichs liegt, werden von GLOBAL 2000 zur Auslobung mit dem Label frei gegeben.

Erstmals kommen im Zuge dieses Prozesses sowohl hohe Anforderungen an die Umweltverträglichkeit eines Produktes als auch eine strenge Prüfung der sozialen Standards beim Hersteller zur Anwendung. Dabei werden ökologische und soziale Probleme im Lebenszyklus eines Produktes – die sogenannten Hot Spots – analysiert und von uns in Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Expertenbeirat bestehend u.a. aus Caritas und GLOBAL 2000 maßgeblich verringert oder gar aufgelöst.

Die Erhebung der sozialen Verträglichkeit eines Produkts stützt sich im Rahmen des REWE International Labeling-Prozesses bei Obst und Gemüse in Österreich auf bestehende Zertifizierungssysteme und wird unter starker Einbeziehung der Caritas durchgeführt. Für große Lieferanten kommt dabei der internationale Menschenrechtsstandard SA8000 der Social Accountability International zur Anwendung, bei dem von Prüfeinrichtungen wie dem TÜV parallel zum Qualitätsmanagementsystem auch die Einhaltung sozialer Mindeststandards überprüft wird. Für kleinere Produktionsbetriebe kommt der international anerkannte Standard GLOBAPGAP Risk Assessment on Social Practices (GRASP)zur Anwendung, im Zuge dessen bei landwirtschaftlichen Betrieben eine Einschätzung der sozialen Praxis durch unabhängige Prüfeinrichtungen vorgenommen wird.

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  • September 2009 – Juni 2010

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