© Gianmaria Gava

Blog: Zeigen, dass es geht!

von Fritz Hinterberger

Die Bundespräsidentenwahl in Österreich, aber auch die politischen Entwicklungen in vielen anderen Ländern zeigen die große Verunsicherung angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen allüberall.

Eigentlich wissen wir seit 30-40 Jahren, was zu tun wäre, um diese Welt gerechter und besser zu machen und dramatisch weniger „Um-Welt“ zu verbrauchen.
Bildungs- und Gesundheitssystem, soziale Sicherung und globale Entwicklung sind weitere Bereiche, in denen heute wenig weiter geht.
Die Wirtschaft, das Wirtschaftssystem spielt dabei eine große, wenn nicht entscheidende Rolle.
Die „große Transformation“ zu einer “Verbesserung der Welt“ kann nur gelingen, wenn
1) viele Einzelne das richtige tun (zB. das richtige einkaufen, gekauftes nicht verschwenden, weniger Stress verursachen…)
2) dafür die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden (zB. Steuern, staatliche Aufgaben, Ge- und Verbote), die das „nachhaltige“ fördern und das un-nachhaltige zurück drängen.
Dazu gehört auch ein gutes Verhältnis zwischen „Markt“, „Staat“ und „Zivilgesellschaft“.

Stattdessen entsteht eine „unheilige Allianz“ zwischen der globalen auf Finanzmärkten beruhenden Wirtschaft und „Populisten“, denen es gelingt, von den von ersterer verursachten Schäden zu profitieren.
Und die traditionelle Politik sozialdemokratischer wie konservativer „Volksparteien“, der selbst der Abstieg droht, weiß nicht, auf welche Seite sie sich schlagen soll.

Welche Rolle oder Aufgabe haben wir, SERI, in diesem Zusammenhang?
Was fehlt, wird oft gesagt, ist eine neue „Erzählung“, ein Bild, das zeigt, wie es anders, besser geht.
Die Verbesserungen, die von NGOs wie Greenpeace oder der neu entstandenen Gemeinwohlbewegung, um nur zwei zu nennen, vorgeschlagen, entwickelt und zum Teil umgesetzt wurden, stehen bislang noch weitgehend unverbunden nebeneinander.
Das gleiche gilt für Organisationen wie den „Runden Tisch Grundeinkommen“, die „Vollgeldinitiative“, die Plattform Footprint und vielen anderen. All diese Initiativen müssen inhaltlich vernetzt werden.

Am SERI arbeiten wir als Teil der Zivilgesellschaft seit über 15 Jahren daran, die vielen Aspekte, die Teil einer neuen Erzählung sein können, in ein ganzheitliches Bild zusammen zu führen: von der Bewertung von Produkten und Dienstleistungen nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten bis hin zur Formulierung möglicher gesamtwirtschaftlicher Zukünfte „nach dem Wachstum“. Wir tun das nicht im Elfenbeinturm sondern gemeinsam mit allen, die an einer solchen Transformation arbeiten wollen. SERI möchte die wissenschaftlichen Grundlagen dafür zur Verfügung stellen.

Es geht uns darum, zu zeigen, dass und wie “es geht!”. Es geht,Wirtschaft, Umwelt, Lebensqualität und Gerechtigkeit unter einen Hut zu bringen, so dass auch in Zukunft die Wirtschaft florieren, die Umwelt geschützt und Arbeitsplätze gesichert werden können und der Reichtum unserer Erde fair auf alle Menschen verteilt wird.

Wissenschaftlich fundierte Verbreitung dieses Wissens, so dass die große Transformation gelingt – das ist unser Anliegen.

N21 ist derzeit noch Teil unseres Kommunikationsschwerpunkts am SERI und soll demnächst organisatorisch und finanziell ausgegliedert werden .
N21 möchte erzählen, was es schon gibt und was noch gebraucht wird, um die Macht des Populismus und ungeregelter Finanzwirtschaft zurück zu drängen und tragfähige Alternativen zu stärken.

Das geht nur gemeinsam – in einer großen, gesellschaftlichen Bewegung. Wir möchten mit dem SERI Teil dieser Bewegung sein.
Es geht um was!

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SAVE THE DATE: Netzwerkabend am Mo, 06.06. zu “Nachhaltigkeit und Journalismus”

Am 6.6.2016 ab 17:30 findet der letzte SERI-Netzwerkabend in unserem Büro in der Garnisongasse statt. Im Juli übersiedeln wir dann in unser neues Domizil in der Schwarzspanierstraße, gleich um die Ecke. Dieses entsteht gerade als Faktor-X-Modell-Sanierung mit innovativen, Schadstoff-freien Materialien, die wir im Herbst präsentieren werden.

Davor aber noch einmal am gewohnten Standort: SERI-Netzwerkabend zum Thema „Nachhaltigkeit und Journalismus“.  Zugesagt haben bereits Roswitha Reisinger (Lebensart/Businessart - http://www.lebensart.at),  taz-Wissenschaftsredakteur Manfred Ronzheimer (live aus Berlin), der im Juni die Tagung „Blackout Planet – Die große Transformation und das Schweigen der Medien“  organisiert sowie Claus Reitan, seit kurzem im Vorstand des “Netzwerk Weitblick“, einem Zusammenschluss an Nachhaltigkeit interessierter JournalistInnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.  Außerdem wird Anna Holl unsere weiteren Pläne für „N21“ vorstellen.

Der Netzwerkabend wird als Teil der “Aktionstage Nachhaltigkeit” stattfinden. Von 25. Mai bis 10. Juni finden dazu zahlreiche Veranstaltungen in ganz Österreich statt, um das vielfältige Engagement für eine Nachhaltige Entwicklung in Österreich vor den Vorhang zu holen.

Wann? 06.06.2016, ab 17:30
Wo? Garnisongasse 7/17, 1090 Wien

Wir freuen uns auf Ihr Kommen, weitere Informationen folgen in Kürze. Sie können sich gerne schon jetzt unter office@seri.at anmelden, die Teilnahme ist kostenlos.

“Ein ressourceneffizientes Europa” – Stellungnahme der Ressourcenkommission des deutschen Umweltbundesamtes erschienen!

Seit Juli 2013 unterstützt eine Kommission das deutsche Umweltbundesamt (UBA) mit Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Ressourceneffizienzpolitik. ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung beraten das UBA zur Weiterentwicklung von Ressourcenpolitik und wollen Ressourcenschutz in Deutschland und Europa mehr Gewicht verleihen. Auch SERI-Geschäftsführer Dr. Friedrich Hinterberger ist Mitglied dieser  ”Ressourcenkommission am Umweltbundesamt” (KRU).

Ende April 2016 veröffentlichte die KRU ein Positionspapier mit dem Titel “Ein ressourceneffizientes Europa – Ein Programm für Klima, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung” in dem festgehalten wird, dass forcierte Ressourcenpolitik nicht nur notwendig sondern bei einer europäischen Vorreiterrolle auch vorteilhaft sei. Bezug wird dabei auch auf das von SERI mitgetragene EU-Projekt POLFREE genommen.

Das Positionspapier der KRU finden Sie hier.
Mehr zum Projekt POLFREE finden Sie unter polfree.seri.at

Highlight: Ernährung

Der Ernährungssektor steht derzeit vor einer Reihe von lokalen und globalen Herausforderungen. Die wachsende Weltbevölkerung, Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten, steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Klimawandel sind nur einige Beispiele dafür. Neben Industrieproduktion, Mobilität und Wohnen zählt Ernährung zu den wichtigsten Handlungsfeldern, wenn es darum geht, Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele zu erreichen.

Ganzheitliche Ernährungssysteme, die die Produktion, den Vertrieb und den Konsum von Nahrungsmitteln beinhalten, bilden die Eckpfeiler nachhaltigen Wirtschaftens und eines schonenden Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Nachhaltige Ernährungssysteme zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Lage sind, sich an veränderte Rahmenbedingungen wie z.B. Klimaveränderungen, technologische Trends, ökonomische Rahmenbedingungen oder demographische Entwicklungen wie „steigende Weltbevölkerung“, aber auch „schrumpfenden Regionen“ anpassen können.

Im Unterschied zu den heuer auslaufenden Millenniums-Entwicklungszielen, die vorranging auf ärmere Länder im globalen Süden zielten, richten sich die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) an alle Länder, somit auch an Österreich. Ihre Erreichung erfordert gezielte Maßnahmen auch auf der lokalen Ebene. Positiv ist: Das Interesse an den Umweltauswirkungen unserer Ernährung rückt zusehends in den Fokus von Unternehmen und KonsumentInnen. Ernährungsgewohnheiten ändern sich und neue Esskulturen entstehen. KonsumentInnen möchten sich vorab über die ökologischen und sozialen Auswirkungen von Produkten informieren und Entscheidungen anhand objektiver und transparenter Kriterien treffen. Die Nachfrage seitens der KonsumentInnen nach lokal/ regional sowie nachhaltig produzierten Lebensmitteln und das Interesse an verlässlicher Information sowie Möglichkeiten zur Mitbestimmung sind größer denn je.

Wir unterstützen die verschiedenen AkteurInnen und Stakeholder der Ernährungswertschöpfungskette (Politik und Verwaltung, Unternehmen, Forschung, Gemeinden, NGOs) dabei, diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Diesen Prozess verstehen wir systemisch, d.h. ökologische, wirtschaftliche und soziale Themen umfassend.

SERI leistet einen Beitrag dazu, Politik, Unternehmen, KonsumentInnen und andere Stakeholder der Ernährungswertschöpfungskette zu informieren und neue Wege zu finden, um die Produktion und den Konsum von Lebensmitteln ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger zu gestalten.

SERI bietet: wissenschaftliche Untersuchungen zu Fragen der Umsetzung des Nachhaltigkeitsprinzips im Bereich Ernährung auf allen Ebenen und Unterstützung in der Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Umsetzung.

Unser Leistungsangebot im Agrar- und Lebensmittelsektor

Auf globaler Ebene analysiert SERI ernährungsbezogene Umweltfolgen (mittels um Umweltdaten, wie etwa Wasserverbrauch in Litern oder Flächennachfrage in Hektar, erweiterte Input-Output Analysen) vor dem Hintergrund folgender Fragestellungen:

  • Wie viele natürliche Ressourcen (Wasser, Landfläche etc.) sind in den Importen und Exporten eines Landes bzw. eines Kontinents (z.B. Europa) enthalten?
  • Welche Länder sind global gesehen die größten Nettoexporteure beziehungsweise Nettoimporteure von natürlichen Ressourcen?
  • In welchem Verhältnis stehen die in Importen enthaltenen Ressourcen zu den innerhalb des Landes bzw. des Kontinents verfügbaren Ressourcen?
  • Wie verändern sich die globalen Umweltfolgen, wenn sich Ernährungsgewohnheiten ändern, z.B. der Fleischkonsum reduziert bzw. erhöht wird und welche Auswirkungen entstehen dadurch auf die Umweltbereiche Fläche, Wasser, Material und CO?

Auf regionaler Ebene entwickelt SERI:

  • Innovative Strategien der Förderung alternativer, kurzer und lokaler Wertschöpfungsketten und Vermarktungskreisläufe und politische Gestaltungsinstrumente einer nachhaltigen Ernährungspolitik von Regionen und Kommunen
  • Machbarkeitsanalysen zur Einrichtung eines Urban/ Regional Food Policy Council als Forum partizipativer Entscheidungsfindung im Bereich nachhaltiger Ernährungspolitik
  • Begleitung von Stakeholder-Prozessen zur Gestaltung nachhaltiger Ernährungssysteme auf urbaner/ regionaler Ebene
  • Erstellung von Nachhaltigkeitsargumentarien: Was bedeutet Nachhaltigkeit für die lokale Lebensmittelproduktion, wo liegen die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Potenziale?
  • Ermittlung regionaler Stärken und Herausforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit
  • Analyse der Unterschiede im Ressourcenverbrauch regionaler versus importierter Produkte mittels der Berechnung „Ökologischer Rucksäcke“ (Materialverbrauch, Wasserverbrauch, Treibhausemissionen, Flächennutzung) und ihrer Auswirkungen auf eine nachhaltige Lebensmittelversorgung
  • Ermittlung der Stärken und Schwächen von regionalen und lokalen Wertschöpfungsketten im Ernährungsbereich sowie deren Untersuchung bezüglich des Ressourcenverbrauchs –  zur optimalen Nutzung von lokalen Ressourcen sowie zur Schaffung sicherer Selbstversorgung, ökonomischer Unabhängigkeit und sozialer Identität der Bevölkerung mit regionalen Produkten

Für Unternehmen und Verbände bieten wir folgende Leistungen:

  • Entwicklung von Standards und Leitfäden zur Nachhaltigkeitszertifizierung von Produkten, Unternehmen und Regionen unter Berücksichtigung ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeitsaspekte
  • Erstellung von Prozessanalysen und Anpassungsstrategien zur Schaffung nachhaltiger Produktionsprozesse und Qualitätssicherung
  • Formulierung zielorientierter Bewertungsindikatoren, die eine einfache Anwendung für die Produkt- und Prozessevaluierung ermöglichen

Für Ihr Unternehmen bieten wir folgende Leistungen an:

  • Analyse der Umweltauswirkungen Ihrer Produkte und Ihres Unternehmens mit Hilfe unseres Umwelt-Footprint Ansatzes. Dabei berücksichtigen wir neben den CO2-Emissionen die  Umweltkategorien erneuerbare und nicht-erneuerbare Materialien, Wasser und Landfläche.  Diese Berechnungen sind  für das Thema Landwirtschaft und Ernährung von großer Relevanz
  • Begleitung in der Erarbeitung nachhaltig orientierter Unternehmenszielsetzungen
  • Individuell gestaltete, interne und externe Kommunikationsmaßnahmen, um die Einbindung aller Stakeholder optimal zu unterstützen

Referenzprojekte:

REWE Nachhaltigkeitsprogramm

Wissenschaftliche Beratung von REWE International, GLOBAL 2000 und Caritas bei der Entwicklung des Labels „Pro Planet“ zur Bewertung und Kennzeichnung der Nachhaltigkeit konventionell hergestellter Lebensmittel. Mit dem Label werden solche Produkte gekennzeichnet, die die Umwelt während ihrer Herstellung, Verarbeitung oder Verwendung deutlich weniger belasten und deren Produktionsbedingungen internationalen sozialen Standards entsprechen.

SERI entwickelte als wissenschaftlicher Partner in diesem Projekt das Konzept zur ökologischen Nachhaltigkeitsbewertung mit und führte in der Screeningphase die Pilot-Berechnungen für ca. 15 Produkte (Obst und Gemüse) aus unterschiedlichen Ländern durch.

Betriebsökologie Zwettler Brauerei

Untersuchung der Klimaauswirkungen und des Ressourcenverbrauchs der Zwettler Bierbrauerei anhand des SERI-Indikatorensets. Dabei nahm SERI eine Lebenszyklusanalyse des gesamten Betriebs vor, die dem Unternehmen zur internen Verdeutlichung der Umweltauswirkungen der Unternehmensabläufe diente. In einem nächsten Schritt wurden konkrete Umsetzungsmaßnahmen entwickelt.

Spar Schweinefleisch

Wissenschaftliche Beratung der SPAR auf ihrem Weg hin zu einer weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit im Unternehmen. Prozessschritte: Bestimmung der Ausgangslage, Identifizierung von Ansatzpunkten für Maßnahmen, Erfolgsüberprüfung mittels begleitender Messung in der Umsetzung.

Neue SERI-Studie zu Wachstumsschwäche für Rat für Forschung und Technologieentwicklung

Unter dem Titel “Aufgaben und Anforderungen an Forschung, Bildung und Innovation unter den Bedingungen einer anhaltenden Wachstumsschwäche“ erarbeiteten Christine Ax, Stefanie Gerold und Fritz Hinterberger 2015 im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung eine Studie, die jetzt auch öffentlich verfügbar ist.

Die Studie behandelt den Zusammenhang zwischen Wissenschaft, Innovation, Bildung und Wirtschaftswachstum und geht der Frage nach, welche neuen oder veränderten Aufgaben auf diese Bereiche in einem Szenario lang anhaltender Wachstumsschwäche zukommen.

Wer einschlägige Veröffentlichungen liest, ist stets auch mit dem Wachstumsdiskurs konfrontiert. Forschungsförderung wird in Kategorien des Wachstums diskutiert und an ihrem Beitrag zu Wachstum gemessen oder sie rechtfertigen ihr Tun im Kontext eines Wachstumsdiskurses. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Wachstumszwang umgekehrt proportional zur Wachstumsrate wächst – ohne, dass über grundsätzliche Alternativen nachgedacht wird.

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Kosten des Wachstums (ökologisch und sozial) auch wachsen und nunmehr selber Wachstumsgewinne konsumieren – vor allem, wenn wir die Entwicklung anhand anderer Parameter messen, wie Gesundheit, Zufriedenheit, Artenvielfalt oder Klimaschutz. Oder wenn man die langfristigen Folgen bedenkt, die ein Wachstum haben kann, das nicht integrativ und inklusiv ist oder auf Kosten anderer Regionen dieser Erde geht.

Die Studie ist hier verfügbar.

POLFREE: Policy Briefs online!

Sechs Policy Briefs fassen die wichtigsten Forschungsergebnissen des von SERI mitgetragenen Projekts POLFREE (Policy Options for a Resource Efficient Economy) noch einmal zusammen. Im EU-Projekt unter Koordination des University College London (UCL) wurden unterschiedliche Wege in eine ressourceneffizientere Zukunft ergründet und modelliert. SERI hat die wichtigsten Ergebnisse des Projekts bereits unter polfree.seri.at in Bild, Videos und Text veröffentlicht, wo jetzt auch die Policy Briefs zu finden sind.

Links:

SAVE THE DATE: SERI-Netzwerkabend, Mo. 2.5., ab 17.30: “Engagiert euch! … Aber wie?”

Wir laden Sie sehr herzlich zu unserem nächsten Netzwerkabend am SERI ein, der am Montag, dem 2.5.2016, stattfinden wird. Gemeinsam mit unseren Gästen Margit Scherb (Sozialwissenschaftlerin, Entwicklungsforscherin), Christian Felber (Buchautor, Lektor an der WU Wien, Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie und des Projekts Bank für Gemeinwohl) und Bruno Rossmann (Nationalratsabgeordneter, Budgetsprecher Die Grünen) wollen wir unter dem Titel „Engagiert euch! … Aber wie?“ über die Bedeutung und Rolle des Staates sowie  Formen politischen Engagements in der heutigen Zeit diskutieren.

Wann: Montag, 2.5.2016, ab 17.30
Wo:  SERI, Garnisongasse 7/17, 1090 Wien

Die Mehrheit der ÖsterreicherInnen erlebt staatliches Handeln als zunehmend autoritäre und zugleich hilflose Austeritäts- und Sicherheitspolitik. Ein kleiner Teil der Bevölkerung, zumeist akademisch gebildet, zieht sich in (prekäre) Nischen der Gemeinwohlbewegung zurück. Aus der privaten Unterstützung der Flüchtlinge hat sich im vergangenen Jahr innerhalb kurzer Zeit eine beeindruckende gesellschaftliche Bewegung entwickelt, die aber rasch an ihre eigenen und auch an die Grenzen des Staates gestoßen ist.

Die SPÖVP-Regierung, die unter anderem weder die längst überfällige Bildungs- noch die Staats- bzw. Verwaltungsreform in Gang bringen konnte, ist von den multiplen globalen Herausforderungen (Umwelt/Klima, Entwicklungspolitik, Migration, Reform der Europäischen Integration,…) umso mehr überfordert. Die insgesamt defizitäre Regierungsführung hat das weitere Erstarken antidemokratischer, rechtspopulistischer und fremdenfeindlicher Einstellungen in der Bevölkerung wesentlich mit zu verantworten. Die deutliche Zunahme neuer sozialer Bewegungen außerhalb von Parteien, Verbänden und etablierten NGOs ist Ausdruck für den immer drängender werdenden Wunsch nach Veränderung.

Damit sich dieses Engagement nicht in Aktionismus erschöpft und nachhaltige Wirkung entfalten kann, ist es notwendig, strategische Fragen zu klären: Ist es möglich, emanzipatorische Vergesellschaftungs- und Politikformen außerhalb des staatlichen Rahmens zu entwickeln oder reicht es aus, sich für ein besseres Staatsmanagement von links einzusetzen? Wie können oder müssen Veränderungen, die auf den Staat abzielen, mit den Bestrebungen um eine grundsätzliche Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die durch den Staat reproduziert werden, verbunden werden? Können grundlegende alternative Initiativen zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse und Lebensweisen (z.B. „Gemeinwohlökonomie“) auf staatliche Politik einwirken?
Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam mit unseren Gästen diskutieren.

Programm:

17.30                    Ankommen

18.00                    Begrüßung

18.10 – 18.30        Impulsvortrag von Margit Scherb

18.30 – 19.30        Podiums- und Publikumsdiskussion mit:

Christian Felber, Buchautor, Lektor an der WU Wien, Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie und des Projekts Bank für Gemeinwohl

Bruno Rossmann, Abgeordneter zum Nationalrat und Budgetsprecher, Die Grünen

Margit Scherb, Sozialwissenschaftlerin, viele Jahre in der Entwicklungsforschung und in der nichtstaatlichen und staatlichen Entwicklungszusammenarbeit tätig; Lektorin am Institut für Staats- und Politikwissenschaft. Jetzt in Pension.

                                     Moderation: Fritz Hinterberger, SERI Geschäftsführung

Im Anschluss an die Diskussion laden wir zum gemütlichen Ausklang mit Imbiss und Getränken. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung unter office@seri.at oder 01/96907280 bis zum 28.4.2016 wird gebeten.

Sie können die Einladung hier als PDF herunterladen.

GLAMURS: Internationales Seminar und Konsortium-Meeting + Case Study Exchange-Video

Bei der Frage nach dem Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung wird der Fokus meist auf die Veränderung eines Teilbereichs wie Mobilität, Energie oder Ernährung gelegt. In den letzten Jahren hat sich das Blickfeld aber auch um die Themen Lebensstil, Konsum und die Rolle von BürgerInnen sowie „Bottom-Up“-Initiativen und sozialer Innovation erweitert. Eine Reihe von EU-Projekten beschäftigt sich in inter- und transdisziplinären Ansätzen mit dieser neuen Sichtweise, darunter auch das von SERI und vielen europäischen Partnern mitgetragene Projekt GLAMURS (Green Lifestyles, Alternative Models and Upscaling Regional Sustainability).

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Anlässlich eines GLAMURS Konsortium-Meetings an der Technischen Universität Delft (Niederlande), wurde im Vorfeld ein Seminar für Wissenschaftler und Entscheidungsträger veranstaltet, um die Ergebnisse verschiedener relevanter Projekte zu präsentieren. Ziel der Veranstaltung war es, die Verbindung zwischen einem nachhaltigem Lebensstil, sozialer Innovation und neuen Wirtschaftsmodellen zu diskutieren und mögliche politische Handlungsmöglichkeiten und weitere Forschungsarbeit auszuloten.

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Außerdem erschien vor kurzem ein Video zum GLAMURS-Projekt, rund um das sogenannte „Case Study Exchange“-Event in Timisoara, Rumänien vergangenen Sommer, bei dem sich Vertreter der im Projekt zentralen Fallstudien und Wissenschaftler austauschen konnten:

Highlight: Wachstum im Wandel 2016

Nach vierjähriger Pause fand Ende Februar wieder eine Konferenz der Initiative „Wachstum im Wandel“ statt.  Wie bei den zwei vorhergehenden Konferenzen beteiligte sich auch SERI wieder an den zahlreichen „Parallel Session“ genannten Workshops. Zudem begleitete auch N21, unser Onlinemedium rund um die Nachhaltigkeit, die Veranstaltung mit einem dreitägigen Workshop, bei dem Teilnehmer den Live-Blog der Konferenz befüllten und sogar zwei Ausgaben einer Konferenzzeitung herausgaben. Rückblickend  beschreibt Fritz Hinterberger auch in seinem aktuellen Blogbeitrag auf www.esgehtumwas.at Geschichte und Gegenwart des „Wachstum-im-Wandel“-Prozesses, an dem SERI von Anfang an beteiligt war.

Gleich am ersten Tag von “Wachstum im Wandel 2016″ erklärte Angelika Zahrnt in einem von SERI und Club of Rome gemeinsam organisierten Workshop zum Thema „Säkulare Stagnation“ die Begriffe Wachstum und Stagnation. Vor etwa zwei Jahren belebte Larry Summers amerikanischer Ökonom und Finanzminister unter Bill Clinton die Debatte neu, die aber auf die Umwelt keinerlei Bezug nimmt. Es gibt viele Gründe für niedriges Wachstum, z.B. die Alterung der Gesellschaft, Ressourcenknappheit, Konsumsättigung, Verschuldung und/oder hohe Zinsen. „Auf diese Gründe muss jeweils Bezug genommen werden, wenn wir (wie auch immer) damit umgehen wollen,“ so Zahrnt. Diese Debatte sollte aber die vielen Argumente der „Postwachstums“-Bewegung berücksichtigen, die sich schon länger mit der Frage beschäftigen, „was dann?“ Umgekehrt sollten sich aber auch „Postwachstumsökonomen“ mehr mit der Hypothese einer säkularen Stagnation auseinander setzen, als mit der Frage: Wieviel Wachstum wollen wir? „Die Ursache der großen Krise Europas ist nicht eine „säkulare Stagnation“, sondern eine „falsche Navigationskarte“, sagte dagegen Stephan Schulmeister. Für ihn ist sie Teil der Verdrängungsstrategie der Mainstreamökonomen, die mit der Krise nichts zu tun haben wollen, die sie aber sehr wohl durch ihre Lehren mit verursacht haben.

Angelika Zahrnt bei SERI-Parallelsession bei Wachstum im Wandel

Angelika Zahrnt bei der SERI-Session “Säkulare Stagnation”.(© BMLFUW/Jana Madzigon)

 

Was passiert wenn die Zivilbevölkerung den Übergang zu weniger Ressourcenverbrauch einleitet? Jill Jäger und Henning Wilts präsentierten das in der Session „Scenarios for Europe using much less resources “. Im von SERI mitgetragenen EU-Projekt POLFREE ( Policy Options for a Resource Efficient Economy) werden drei verschiedene idealtypische Wege in eine ressourceneffiziente Zukunft aufgezeigt. Während bei „Global Cooperation“ weltweit auf der supranationalen Ebene zusammengearbeitet wird, kooperiert man bei „EU Goes Ahead“ vornehmlich auf europäischer Ebene. Der Wandel wird in beiden Varianten vornehmlich „von oben“ getrieben. Im von Jill Jäger näher vorgestellten dritten Szenario „Civil Society Leads“ geht die Transformation zu weniger Ressourcenverbrauch von der Bevölkerung und Teilen der Zivilgesellschaft aus. Veränderungen wie weniger Fleischkonsum und mehr gemeinschaftliche Nutzung von Gebrauchsgegenständen führen zu einer starken Reduktion von CO2-Emissionen und anderen Überbelastungen. Bemerkenswert, so Jill Jäger, sei, dass Nullwachstum und Arbeitszeitverkürzung in der komplexen makroökonomischen Modellierung zu 17 Millionen zusätzlichen Jobs gegenüber „Business-as-Usual“, also Wirtschaften weiter wie bisher, führten. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie erläuterte außerdem wie die sogenannten „policy mixes“, die Kombinationen von umweltpolitischen Maßnahmen und Verhaltensänderungen der Menschen, für die jeweiligen Szenarios gefunden wurden. Diese Eingriffe können je nach Einsatzgebiet freilich sehr unterschiedlich aussehen und reichen etwa von Besteuerung bis zu sozialer Innovation.
Die Präsentation von Jill Jäger finden Sie hier, die von Henning Wilts hier.

SERI-Parallelsession bei Wachstum im Wandel

SERI-Geschäftsführer Fritz Hinterberger moderierte einen Workshop zum Projekt POLFREE mit Jill Jäger und Henning Wilts (Foto: © BMLFUW/Jana Madzigon)

 

Ein Workshop unseres Onlinemediums N21 begleitete die Konferenz über die drei Tage hinweg. Unter der Leitung des Journalisten Manfred Ronzheimer („taz“) erschienen kürzere Beiträge schon während der Tagung auf der Website der Veranstaltung. Außerdem wurden zwei „Morgenzeitungen“ gedruckt, die über Workshops und Vorträge des Vortags berichteten. Längere Beiträge wie Gastkommentare zu einzelnen Keynotes erschienen dann wie gewohnt auf n21.press, ebenso wie eine Reihe von Videos, in denen wir ExpertInnen zu den Themen Wachstum, Wirtschaftssystem und Wandel interviewt haben.

Die Videos finden Sie auch hier und hier auf N21.

Das Thema Wachstum beschäftigt uns am SERI schon eine Zeit lang, ob in Projekten wie POLFREE (siehe oben) oder GLAMURS.

Vor 2 Jahren erschien das Buch von Fritz Hinterberger und Christine Ax „Wachstumswahn – was uns in die Krise führt und wie wir wieder herauskommen“, in dem sie sehr allgemein verständlich beschreiben, worum es beim Wachstumsthema eigentlich geht: nicht ob wir für oder gegen Wachstum sind (was diesem herzlich egal ist), sondern wie wir mit der Tatsache umgehen, dass Wachstumsraten, wie es die heute 50-jährigen aus ihrer Jugend noch kennen, nie mehr zurück kehren werden.

Blog: Weiter wandeln!

Vor genau 10 Jahren, im ersten Halbjahr 2006, hatte Österreich zuletzt die europäische Ratspräsidentschaft inne. Seit der Erweiterung auf derzeit 28 Mitglieder dauert es ja ein wenig länger bis wir wieder „dran“ sind. Noch drei Jahre, wenn ich richtig rechne. Spannend für Nachhaltigkeits-bewegte war diese Präsidentschaft vor allem deshalb, weil gerade in diesem Halbjahr die europäische Nachhaltigkeitsstrategie fertig gestellt und beschlossen werden sollte. Schon ein paar Jahre vorher hatten wir uns am SERI gemeinsam mit unserem Freund und langjährigen Wegbegleiter Harald Hutterer mit dem Thema „Glück“ beschäftigt – im Sinne von „glücklich sein”, nicht „Glück haben“. „Governance for Sustainable Development“, so einer unserer damaligen Claims, müsse sich am größtmöglichen Glück der Menschen orientieren. In der Region „Niederösterreich Mitte“ haben wir ganz konkret mit Stakeholdern an diesem Claim gearbeitet: eine Region auf dem Weg zum Selbst. Nun haben uns Elisabeth „Sissy“ Freytag und Rita Trattnigg, die an vorderster Front in den Verhandlungen der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie eingebunden waren, gebeten, das heißt beauftragt, sie dabei zu unterstützen, geeignete, das heißt auch: konsensfähige, Formulierungen zu finden. „Wellbeing“, „Wohlbefinden“ ist dann am Ende dabei als oberstes Ziel für die Nachhaltigkeit in Europa heraus gekommen – das Wort Wachstum findet man in dem Dokument vergebens. Formulierungen, wie sie heute etwa von der Gemeinwohlbewegung, die gerade ihr 5-jähriges Bestehen gefeiert hat, gebraucht werden, waren also schon vor 10 Jahren en vogue. Sissy und Rita erzählten damals, wie das Hantieren mit solchen Werten und Begriffen, auch das Klima in den europäischen Verhandlungsrunden verändert hat.

Nach diesem Erfolg war aber die Frage: was nun? Ganz ehrlich: wer liest schon Dokumente wie die europäische Nachhaltigkeitsstrategie, die noch dazu von Dokumenten wie der Strategie „Europa 2020“ bald in den Schatten gestellt wurde? Ein nächster Schritt war die Erarbeitung eines „Argumentariums“ mit dem vielsagenden Titel: „Welches Wachstum ist nachhaltig?“ zuerst auf Deutsch und dann auch auf Englisch. Jeweils ergänzt um Statements österreichischer bzw. europäischer ExpertInnen, Stakeholder und EntscheidungsträgerInnen. Ok, die Argumente sind da, zusammengestellt, veröffentlicht – was nun? Der logische nächste Schritt war die erste internationale Konferenz „Wachstum im Wandel“ 2010 in der Wiener Aula der Wissenschaften, mit der es bei über 500 TeilnehmerInnen gelang, das Thema auf eine breite Grundlage zu stellen.
Nach der Verbreitung kam die Vertiefung. In einem Policy-Science-Stakeholder-Prozess wurden 10 Policy Papers mit Themen wie „Wachstum und Arbeit“, „Wachstum und Staatsausgaben“, „Wachstum und Verteilung“ oder „Wachstum und Konsum“ erarbeitet – in 2-3 Runden mit 10-50 einschlägig bewanderten Menschen.
Ende Februar öffnete nun die dritte “Wachstum im Wandel“-Konferenz – diesmal an der Wiener Wirtschaftsuniversität – ihre Tore.

Es war auch diesmal wieder das Zusammentreffen österreichischer und internationaler ExpertInnen und PraktikerInnen zum Thema, hervorragend organisiert durch ein Team von Umweltministerium und WU und einem größeren Kreis aller Partnerorganisationen. So konnten wir uns vom SERI diesmal voll auf das inhaltliche konzentrieren. Da waren unsere beiden Workshops über Zukunftsszenarien und säkulare Stagnation, die wir im aktuellen Highlight auf der SERI-Website dokumentieren und unser Workshop „Transformationsjournalismus“ (Link!), den wir über unser Projekt „N21“ veranstaltet haben. Journalistische Profis und Laien haben drei Tage lang das Geschehen auf der Konferenz verfolgt und für den Live-Blog aber auch N21 aufbereitet. Highlight war die morgendliche „Zeitung” mit den Highlights vom Vortag. Und jetzt erscheinen peu a peu die Videos, die N21-Journalistin Anna Holl mit Christian Hinterberger bei der Konferenz gedreht hat. Im ersten Teil unserer zweiteiligen Serie fragten wir nach den Möglichkeiten eines ökonomischen “Weiter so“ sowie den Grenzen des derzeitigen Wirtschaftssystems und konkret des wirtschaftlichen Wachstums. Der zweite Teil beschäftigt sich mit den Alternativen, “Wachstum im Wandel“ eben.

Apropos N21. Wir stehen kurz davor, so wie von Anfang an geplant, das Online-Medium exklusiv für AbonnentInnen anzubieten, die wir lieber „Mitglieder” nennen. Unser Ziel: „N21“ zu einer Online-Community zu machen, in der sich die Bewegung austauscht, von einander lernt und weiter denkt, was nötig ist, um den Wandel hin zu kriegen. Abos können schon jetzt gezeichnet werden und helfen uns beim Aufbau unseres neuen Projekts. In Bälde kann man das auch direkt im Internet tun und erhält dann für 21 Cent pro Tag (Studierende 9 Cent) fast täglich Hand verlesenes aus der großen weiten Welt der Nachhaltigkeit.
Fröhliches Weiterwandeln!
wünscht
Fritz Hinterberger

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Highlight: Ernährung


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