WAS VERTRÄGT UNSERE ERDE NOCH? – Wege in die Nachhaltigkeit

Jäger J. (2007)
Mit Unterstützung durch Bohunovsky, L., Giljum, S., Hinterberger, F., Omann I. und Schnepf, D.
Fischer-Verlag. Frankfurt

Inhalt

Die Erde ist ständigen Veränderungen unterworfen, die auf komplexe Weise zusammenwirken. Der Mensch greift massiv in die Abläufe der Umwelt ein, ohne die langfristigen Folgen wirklich kalkulieren zu können. Das Verständnis globaler Kreisläufe ist unerlässlich und bietet uns die wissenschaftlichen Grundlagen für eine bewusst nachhaltige Gestaltung der globalen Umwelt. Die folgenden zehn Fragen und Antworten, beschreiben, worum es uns in dem Buch geht.

1.Welche Zukunft wollen wir?

Wie wird die Welt in 50 Jahren aussehen? Wird es eine Welt sein, in der die Natur keinen Wert hat und der Klimawandel jährlich für Mensch und Wirtschaft katastrophale Ereignisse verursacht? Eine Welt, in der der Wettbewerb dominiert und die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer ist als heute? Eine fragmentierte Welt also, in der sich die Regionen voneinander abkapseln oder gar gegeneinander kämpfen? Oder wird es vielleicht doch eine friedliche Welt sein, in der die Umwelt geschont wird und Ressourcen fair verteilt werden? Wollen wir diese friedliche Welt, müssen wir heute anfangen zu handeln.

2.Was bedeutet „globaler Wandel“?

Der Begriff „globaler Wandel“ wird in wissenschaftlichen Kreisen verwendet, um die tief greifenden Veränderungen der Umwelt zu beschreiben, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten beobachtet wurden: Klimawandel, Wüstenbildung, Artensterben etc. Die Ursachen dieser Veränderungen sind in der steigenden Anzahl von Menschen und deren Aktivitäten begründet. Besonders beunruhigend: Die Transformation der Umwelt zeigte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine dramatische Beschleunigung (Kapitel 1).

3.Ist die Situation wirklich so dramatisch, oder haben wir noch Zeit zu handeln?

Die Situation ist dramatisch – vor allem aus drei Gründen: Die meisten Einflussgrößen, die für Umweltveränderungen relevant sind (wie wirtschaftliche Entwicklung, der Konsum in den Industrieländern, die Größe der Weltbevölkerung, Ressourcenverbrauch und Energieverbrauch), erfreuen sich weiterhin ungebremsten Wachstums. Die Weltbevölkerung steigt seit Anfang des letzten Jahrhunderts exponentiell an. Und die Zerstörung der Natur, die die Grundlage unserer Existenz ist, bedroht inzwischen die Lebensqualität der heutigen und künftigen Generationen. Die Zeit zum Handeln ist überfällig (Kapitel 1).

4.Was sind die treibenden Kräfte für Umweltveränderungen?

Menschliche Aktivitäten sind die stärksten Kräfte des globalen Wandels. Der Verbrauch von natürlichen Ressourcen wird durch Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion, Industrie, Energiebereitstellung, Verstädterung, Transport, Tourismus und internationalen Handel beeinflusst. Durch diese Aktivitäten werden die Zusammensetzung der Atmosphäre, die Eigenschaften der Landoberfläche, die Artenvielfalt, das Weltklima und die Strömungen in den Ozeanen verändert (Kapitel 2).

5.Warum müssen die Industriestaaten jetzt ihren Ressourcenverbrauch reduzieren?

Die Erde kann nur ein beschränktes Ausmaß an Umweltbelastungen aufnehmen, bevor die globalen Ökosysteme kippen. Vor allem die Einwohner der reichen Industriestaaten verursachen durch ihren hohen Konsum globale Umweltprobleme. Sie verbrauchen weit mehr, als ihnen bei einer gerechten Verteilung der Ressourcen zustehen würde. Ihr Ressourcenverbrauch muss reduziert werden, um den Menschen in anderen Kontinenten einen fairen Anteil am globalen Umweltraum zu überlassen und um zu verhindern, dass die Welt in eine ökologische Katastrophe schlittert. Dies verlangt fundamentale Änderungen in Wirtschaftsweise und Lebensstil. Parallel dazu muss das Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern gebremst werden (Kapitel 3).

6.Reichen technologische Innovationen aus, um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren?

Sowohl weltweit als auch in Europa können wir in den letzten Jahrzehnten eine ähnliche Entwicklung beobachten: Die Wirtschaft nutzt die eingesetzten Rohstoffe und die Energie immer effizienter. Ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist der Einsatz neuer Technologien. Dies führt jedoch zu keiner Entlastung der globalen Ökosysteme. Denn gleichzeitig stellt der Mensch immer mehr Güter her und verbraucht immer mehr Energie. Technologische Innovation allein reicht also nicht aus, um eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs insgesamt in den Industrieländern zu erzielen. Vielmehr sind weiterführende Maßnahmen notwendig, die den Wert der Natur wirklich reflektieren. Dazu gehören auch Preise, die die wahren Kosten widerspiegeln, und ein Steuersystem, das „ökoeffiziente“ Produkte fördert (Kapitel 3).

7.Müssen wir wirtschaftlich immer weiter wachsen, um unseren heutigen Lebensstandard zu halten?

Wirtschaftswachstum gehört neben dem Bevölkerungswachstum zu den wichtigsten „Treibern“ der globalen Umweltveränderungen. Während die armen Teile der Welt deutlich mehr Einkommen brauchen, um ihren Lebensstandard zu erhöhen, macht mehr Einkommen in Europa, Amerika und Japan immer weniger Menschen „glücklich“. Im Gegenteil: Stress und Vereinsamung nehmen zu, Konsum gleicht immer häufiger einem Suchtverhalten, Krankheiten entstehen zunehmend aus dem Überfluss (Fettleibigkeit, Allergien) und nicht aus dem Mangel. Individuelles Wohlergehen speist sich mehr und mehr aus „inneren Werten“ (Zufriedenheit, Beziehungsglück, Naturerleben) und nicht aus materiellem Wohlstand (Kapitel 4).

8.Was ist eine nachhaltige Entwicklung?

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung forderte bereits 1987, also vor 20 Jahren, in ihrem Bericht eine nachhaltige Entwicklung (genaue Definition in Kapitel 1). Eine solche Entwicklung verhindert die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage und erlaubt es allen Menschen, heute und in der Zukunft ohne Armut und Hunger in Frieden und glücklich zu leben. Eine nachhaltige Entwicklung sorgt für Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich, zwischen Ressourcenverschwendung und Mangel, zwischen heutigen und künftigen Generationen (Kapitel 1-5).

9.Liegt es nicht an den Politikern, eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen?

Bei der Rio-Konferenz 1992 haben die Regierungen der Welt sich zu einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. In der Rio-Deklaration wurde entsprechend erstmals das Recht auf eine solche Entwicklung global verankert. Leider ist in den darauf folgenden Jahren vieles von dem, was versprochen wurde, nicht umgesetzt worden. Ähnliches gilt für die Milleniumsziele der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000. Die internationalen politischen Zielvorgaben werden national häufig nicht realisiert, weil kurzfristiges Denken und wirtschaftliche Ziele die Politik dominiert. Die Erfahrung zeigt, dass die Bevölkerung und vor allem auch die Wirtschaft sich an Handlungen beteiligen müssen, die eine nachhaltige Entwicklung unterstützen. Erst wenn die Politiker und Politikerinnen erkennen, dass sie Wahlen gewinnen können, wenn sie sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen, werden sie das Thema wirklich ernst nehmen (Kapitel 5).

10.Was können wir tun?

Es gibt eine Reihe von politischen Maßnahmen und Instrumenten, die zur Steigerung der Ressourcenproduktivität und zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs eingesetzt werden können. Durch den richtigen Mix dieser Instrumente können sowohl Umwelt wie auch die Wirtschaft profitieren. Nachhaltige Entwicklung erfordert ein gesellschaftliches Umdenken, das heißt eine Veränderung in der Prioritätensetzung – sowohl der Gesellschaft als Ganzes wie auch jedes Einzelnen. Jeder kann im alltäglichen Leben damit beginnen, Nachhaltigkeit Wirklichkeit werden zu lassen (Kapitel 5).

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