Weinbau im Klimawandel: Anpassungs- und Mitigationsmöglichkeiten am Beispiel der Modellregion Traisental

Soja, G., Zehetner, F., Rampazzo-Todorovic, G., Schildberger, B., Hackl, K., Hofmann, R., Burger, E., Grünberger, S. und Omann, I. (2010)

In: Ländlicher Raum

Abstract

Die Beziehung zwischen Weinbau und Klimawandel hat zwei grundverschiedene Seiten: einerseits muss sich der Weinbau an geänderte klimatische Bedingungen anpassen, andererseits ist er auch einer von vielen Emittenten von Treibhausgasen. Das Projekt WEINKLIM hat untersucht, wie sich der Weinbau angesichts dieser beiden unterschiedlichen unktionen unter zukünftigen Klimawandelbedingungen nachhaltig entwickeln kann. Die Projektergebnisse liegen in Form von Gestaltungsvorschlägen für den Weinbau vor.

Der Klimawandel ist im Gebiet Krems-Traisental nicht nur anhand der früheren Lesetermine, sondern auch an Trends in den meteorologischen Messreihen erkennen. Die zu einem immer früheren Zeitpunkt erfüllten Temperaturerfordernisse für die DAC-Sorten Grüner Veltliner und Riesling sollten an Möglichkeiten der Selektion langsamer reifender Klone oder der Einbeziehung höher gelegener Rieden denken lassen. Trotz der schnelleren Frühjahrsentwicklung darf der Schutz vor Spätfrost nicht außer Acht gelassen werden. Erwärmungsbedingte Erhöhungen des Wasserbedarfs der Weingärten wurden bisher durch
leicht ansteigende Niederschlagssummen entschärft, doch ist eine Umkehr dieses Trends wahrscheinlicher als eine Extrapolation. Bewässerungsmöglichkeiten werden daher mittelfristig als zukunftsträchtige Anpassungsmaßnahmen zu werten sein. Für bodenschonend wirtschaftende Winzerinnen und Winzer ist die Minimierung der Anzahl der Bodenbearbeitungsvorgänge der Schlüssel zur Erhöhung der Kohlenstoffsenken-Funktion
der Weingartenböden. Die Nutzung organischer Dünger und ein sparsamer Umgang mit mineralischem Stickstoffdünger verbessert die Treibhausgasbilanz der Böden deutlich. Eine Nutzung von Pflanzenschutz-Warnmodellen kann durch die Optimierung des Pflanzenschutzmitteleinsatz-Zeitpunktes die Effektivität dieser Maßnahmen erhöhen, aber nur in Ausnahmefällen zur Einsparung einzelner Spritzungen führen.

In Summe ergaben die Erhebungen für den gesamten Produktlebenszyklus vom Weingarten bis zu den Kundinnen und Kunden für Traisentaler Wein einen “CO2- Fußabdruck” von rund 1,7 bzw. 1,9 kg CO2e pro l Wein (ohne bzw. mit Transport zum Verbraucher). In der Status-Quo-Erhebung konnten die Haupteinflussgrößen auf die Treibhausgas-Emissionen wie Bodenbearbeitung, Düngemitteleinsatz, Dieseleinsatz landwirtschaftlicher Maschinen, Energieeinsatz im Weinkeller und Verpackungsmaterial identifiziert und quantifiziert werden. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden Maßnahmen
für einen zukunftsfähigen Weinbau entwickelt. Die Einbindung der WinzerInnen und anderer lokaler Stakeholder stand im Zentrum des Projektes, damit die Vorschläge für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praxisnah und regionsspezifisch zugeschnitten sind. Die WinzerInnen aus dem Traisental sind hochmotiviert, einige der vorgeschlagenen Maßnahmen kurz- und mittelfristig umzusetzen und dadurch eine Vorreiterrolle im klimaschonenden Weinbau zu erlangen.

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Highlight: Ernährung


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