(Deutsch) Öffentliche Meinung zur Natur. Ergebnisse der österreichischen Fallstudie

Bednar-Friedl, B., Eberhard K., Grünberger S., Omann I. (2009)
UBA Reports, Band 0239, Wien

Im Rahmen des EU-Excellence-Netzwerks ALTER-Net wurde die Einstellung der Bevölkerung zu Biodiversität und ihrer Erhaltung in acht europäischen Ländern untersucht. In Österreich fand die Erhebung in der Region Eisenwurzen statt, einer
Langzeit-sozio-ökologischen Forschungsplattform (LTSER), die vom Umweltbundesamt koordiniert wird.

Ziel dieser von der Universität Graz und dem Sustainable Europe Research Institute durchgeführten Befragung war es, die Sichtweise der BürgerInnen zur Biodiversität und zu Maßnahmen im Naturschutz zu ermitteln. Insbesondere wurde untersucht, ob der hohe Stellenwert des Biodiversitätsverlustes in Wissenschaft, Medien und Politik von der Bevölkerung gleichermaßen beurteilt wird. Die Befragung sollte weiters darüber Aufschluss geben, wie und von welchen Akteursgruppen
nach Meinung der BürgerInnen Natur und Artenvielfalt geschützt werden sollten. Schließlich wurden auch die persönlichen Einstellungen der Befragten zu Natur und Umweltschutzthemen sowie allgemeinere Wertvorstellungen recherchiert.

Als Hauptergebnis der österreichischen Fallstudie ist festzuhalten, dass die Befragten einen Verlust der Artenvielfalt v. a. auf globaler Ebene (und weniger stark auf nationaler und lokaler Ebene) wahrnehmen und darüber besorgt sind. Sie können
auch ein sehr detailliertes Bild über die Veränderung von Arten in ihrer unmittelbaren Umgebung abgeben. Bezüglich der Beurteilung einzelner Arten und Lebensräume zeigt sich ein starker positiver Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Rückgang einer Art (oder eines Lebensraums) und dem Wunsch nach deren Zunahme. Je bedrohter eine Art gesehen wird, desto höher ist auch der Wunsch nach ihrer Erhaltung.

Zweiter Schwerpunkt der Umfrage war die Beurteilung, welche Akteursgruppen derzeit einen Einfluss im Umwelt- und Naturschutz ausüben, welche davon verantwortungsvoll handeln und welche davon Entscheidungen im Naturschutz treffen
sollten. Nach Meinung der Befragten sollten fachkundige Personen aus den Bereichen Jagd und Forstwirtschaft, Landwirtschaft sowie Naturschutz mehr Verantwortung und Entscheidungskraft erhalten.

Im letzten Abschnitt wurde die Haltung der Bevölkerung zu Natur- und Umweltschutzthemen untersucht, wobei dieses Umweltbewusstsein das Wissen, die Einstellung sowie das Verhalten (oder Handeln) umfasste. Die Kenntnisse der Befragten
hinsichtlich beobachteter Veränderungen sind durchaus differenziert. Bei den Begrifflichkeiten zeigte sich, dass Fachausdrücke wie „Biodiversität“ der Bevölkerung beinahe fremd sind. Begriffe wie „Nationalparks“ oder “Naturschutzgebiete“ werden hingegen nicht nur verstanden sondern auch häufig benutzt. Bezüglich der persönlichen Einstellung wiesen die Befragten mehrheitlich eine mutualistische Werteinstellung auf, das heißt eine Haltung, die einen respektvollen Umgang mit der Natur beinhaltet. Freizeitaktivitäten in der Natur beeinflussen die Wahrnehmung
von Veränderungen in der Natur positiv, insbesondere so genannte die Natur „wertschätzende“ Aktivitäten (Wandern, Spazierengehen, Vögel und Wildtiere beobachten) sowie Klettern und Bergsteigen.

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