A growing voice

UNU-Bonn

Es ist 13:30. 10 junge WissenschafterInnen stehen vor dem UN-Gebäude in Bonn und werden von den Sicherheitsleuten nicht eingelassen, weil wir KonferenzteilnehmerInnen offiziell erst ab 14:00 Eintritt in das Gelände haben. Mehrere Organisationen der Vereinten Nationen sind hier untergebracht, darunter auch eine Abteilung der UN-University. Das Passieren der Sicherheitszone ist grundsätzlich nur mit Genehmigung und ausführlichen Sicherheitschecks möglich. Also: Eine Universität, hinter hohen Sicherheitszäunen. Wen wundert es da, dass es (noch immer) einen ‘Knowledge Gap’ zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gibt? Doch diesmal kam alles anders.

Das Thema Umweltmigration ist letzte Woche auf der EFMSV Konferenz vom Randthema zu einer ‘growing voice’ geworden. Mehr als 300 WissenschafterInnen und EntscheidungsträgerInnen aus der ganzen Welt kamen zusammen, um die Verbindungen zwischen Umweltveränderungen (Klimawandel, Meeresspiegelanstieg, Bodenverwüstung, Zunahme von Fluten, Dürren und Hurricans, etc.) und Migration zu diskutieren und in die politische Agenda zu bringen. Das Potential für eine so ausgelöste ‘moderne Völkerwanderung’ scheint enorm: 2050 könnten bis zu 1 000 000 000 (1 Milliarde!) Menschen gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen.

Doch diese Schätzungen sind wissenschaftlich noch keineswegs abgesichert. Es braucht deutlich noch mehr Forschung, um genauere Daten zu generieren. Daten, die die tatsächliche Situation der Menschen wiederspiegeln. Und was besonders junge PhD Studirende dafür auf sich nehmen ist unglaublich:

Zum Beispiel David, der bei seiner Feldarbeit in Honduras auf offener Straße angegriffen wurde und beinahe zwischen die Fronten einflussreicher Gangs geriet. Oder Inge, die ihre Arbeit den burmesischen Flüchtlingscamps in Thailand widmete. Sie schlüpfte durch Löcher in Zäunen oder wurde ‘undercover’ von Hilfsorganisationen in die streng abgeschotteten Camps eingeschleust, um Interviews mit Betroffenen durchzuführen. Die Autoritäten in Thailand hätten solchen Untersuchungen kaum oder nur unter massiven Auflagen zugestimmt. Ähnlich wie in der Fallstudie über den Yangtse Staudamm in China. Jegliche Untersuchungen über die ‘Umsiedelung’ von Millionen Menschen wurden verboten. Alle Zahlen die es von offiziellen Stellen gibt, sind offensichtlich zensuriert und geschönt. Eine mutige Studentin hat sich davon nicht abschrecken lassen. Allerdings hatte sie ihre Arbeit bei dieser Konferenz nicht selbst präsentiert. Nachdem sie jetzt wieder in China lebt, will sie in der Öffentlichkeit möglichst nicht mit den Ergebnissen in Verbindung gebracht werden.

So spannend kann Wissenschaft sein. Erfreulicherweise wurde die Relevanz dieser Arbeit vor allem auch von internationalen EntscheidungsträgerInnen (UNO, UNEP, IOM, MinisterInnen, BotschafterInnen, etc.) gewürdigt und sehr interessiert aufgenommen. Womit das Thema Umwelt & Migration endlich mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Das spornt natürlich auch uns an, in den verbleibenden Monaten des EACH-FOR Projekts nochmal alles rauszuholen und das Projekt gut abzuschließen. Ergebnisse werde ich dann in wenigen Monaten auch hier veröffentlichen.

Mehr Infos jetzt schon auf:

www.seri.at/each-for
www.each-for.eu

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Highlight: Ernährung


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