Was CO2-Emissionen und Seitensprünge gemeinsam haben

Eigentlich hatte ich vor, meinen ersten Blogbeitrag der Global 2000-Kampagne SOS Klima zu widmen, die sich dieser Tage für die verfassungsrechtliche Verankerung eines Klimaschutzgesetzes, unter anderem in Form verpflichtender Treibhausgasreduktionen, einsetzt. Doch dann erinnerte ich mich an eine Website, die auf viel unkonventionellere Weise für das Thema CO2-Reduktion sensiblisiert: www.cheatneutral.com [youtube width="200" height="167"]http://www.youtube.com/watch?v=f3_CYdYDDpk[/youtube]

Cheatneutral präsentiert sich als Online-Unternehmen zweier junger Briten. Das Geschäftsfeld: die Möglichkeit, sich von Seitensprüngen und Affairen freizukaufen. Betrügst du deinen Partner, bezahlst du Lösegeld, welches im Gegenzug in ausgesprochen treue Seelen investiert wird, und schwupsdiwups bist du moralisch neutralisiert und kannst frisch und fröhlich weiter in fremden Betten schlafen!

Klingt komisch? Funktioniert aber prinzipiell genauso so im Handel mit CO2-Zertifikaten: kauf dich frei von den von dir verursachten Emissionen und blase sogleich so viele weitere Schadstoffe in die Luft, wie dir beliebt. Und damit das Geld nicht als verloren gilt, fließt es in fernen Ländern in Projekte, die zum Ausgleich jene von dir “gekaufte” Menge CO2 einsparen sollen.

Was bei Alex Randells und Christian Hunts Analogie von Cheatneutral offensichtlich wird: die Möglichkeit zum Freikauf aus der Untreue verleitet nur allzu leicht zu noch mehr davon und trägt somit eher zu einer Erhöhung statt zu einer Verringerung der gesamten, globalen Untreue bei.

Und genau darauf läuft Cheatneutral natürlich in Form allerfeinster Satirik hinaus: Cheatneutral is fundamentally the wrong way to go about solving problems with your relationships. Carbon offsetting is fundamentally the wrong way to go about tackling climate change.

Was bleibt uns aber übrig als uns weiterhin dieser Selbsttäuschung hinzugeben? Als Antwort geben sich hier so verschieden anmutende Initiativen wie Cheatneutral und SOS Klima als “Notsignal für die Politik” die Hand: What we really need is political action.

Übrig bleibt uns dabei also, SOS Klima unsere Stimme zu geben (hier!) und ähnliche Ideen wie Cheatneutral zu verbreiten – provokativ, publikumswirksam, aufrüttelnd. Great!

4 Comments to Was CO2-Emissionen und Seitensprünge gemeinsam haben

  1. Monday March 3rd, 2008 at 05:17 PM | Permalink

    Gratulation zum Blog Start :)
    PS: Das youtube Video könnt ihr auch größer einbinden. Im Quelltext einfach die Größe ändern. Fragt Euren Techniker, der kann das sicher ;)

    LG Hannes

  2. Anna's Gravatar Anna
    Monday March 3rd, 2008 at 08:20 PM | Permalink

    jetzt seit ihr auch “cool”! =)
    lg, anna

  3. Axel's Gravatar Axel
    Saturday March 8th, 2008 at 08:15 PM | Permalink

    Wunderbare Idee diese Freikauf-Satire!
    Allerdings muss ich auch sagen: Ein wenig freikaufen kann übergangsweise schon auch okay sein.
    Dazu müssten aber (1) die Preise deutlich höher sein. Solange eine Flugreise nur ein paar Euro kostet, ist das eine Farce.
    Und dann ist (2) die Frage, was mit dem Geld passiert. Lieber keine Bäume pflanzen, sondern z.B. in Energieeffizienz in Entwicklungsländern investieren. Wenn die Ablass-Summe groß genug ist, dann kann der Flug sich wirklich amortisieren aus Sicht des Weltklimas.
    Ansonsten muss das Ziel aber bleiben, auch ab und zu mal einen suffizienteren Lebensstil an den Tag zu legen.

  4. stefanie's Gravatar stefanie
    Sunday March 9th, 2008 at 12:00 AM | Permalink

    @Axel:

    Allerdings muss ich auch sagen: Ein wenig freikaufen kann übergangsweise schon auch okay sein.

    Ich nehme an, du beziehst dich (nur!) auf den Freikauf von CO2-Emissionen ;)
    Dann gerne als Übergangslösung (wie so vieles und nach dem Motto “besser als nichts”), aber eben etwas sinnvoller, bitte! Wie du schon sagst: unter effizienterem Einsatz des Geldes, das daraus zur Verfügung steht – derzeit fließen satte 80% davon in die Staatskasse. Und natürlich muss neben einer Preiserhöhung der Zertifikate selbst die Latte des gesamten erlaubten CO2-Ausstoßes deutlich niedriger gelegt werden, damit unterm Strich dann doch weniger emittiert wird.

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