SUFO:TROP Sustainable Food Consumption: Trends and Opportunities

Friedl, B., Hammer, M., Jäger, J., Lorek, S.., Omann, I., Pack, A. (2007)

Zusammenfassung
Der vorliegende Bericht präsentiert Ergebnisse des zweiten Jahres des Global Change Projekts “Sustainable Food Consumption: Trends and Opportunities”. Ziel des Projekts ist es, zu einem nachhaltigeren Lebensmittelkonsum in Österreich über eine Analyse des Nahrungsmittelkonsums, seiner Trends und damit verbundener Umweltfolgen beizutragen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen werden mögliche Politikoptionen zur Stärkung nachhaltigen Lebensmittelkonsums diskutiert.

In Kapitel 2 werden sozioökonomische Ursachen der Muster des Nahrungsmittelkonsums identifiziert und für verschiedene Haushaltstypen und Nahrungsmittelkategorien untersucht. Nach einer Analyse des Lebensmittelkonsums des österreichischen Durchschnittshaushaltes wird der Konsum für verschiedene sozioökonomische Gruppen verglichen, und zwar nach den Faktoren Alter, Einkommen, Bildung, Erwerbsstatus und Familientyp. Ältere Personen konsumieren mehr Gemüse und Obst im Verhältnis zu Fleisch, als jüngere. Jüngere Personen zeigen eine höhere Präferenz für Wurst- und Selchwaren, Faschiertes, Reis, Teigwaren, Brot und Staudengemüse, als Folge von (zeitlicher) Bequemlichkeit. Haushalte mit niedrigem Einkommen reagieren meist auf Preise und suchen nach ergiebigen Nahrungsmitteln. Sie konsumieren einen höheren Anteil an Kartoffeln (anstellen von anderen Gemüsearten), Äpfeln und Birnen (anstelle von exotischen Früchten) und geringere Mengen an abgefüllten Getränken. Einkommensstarke Haushalte konsumieren einen höheren Anteil an Rindfleisch, einkommensschwächere eher Schweinefleisch. Reichere Haushalte reagieren stärker auf Zeitmangel durch verstärkten Konsum an Lebensmitteln, die schnell zubereitet werden können (Wurst- und Selchwaren, Käse, Topfen, Joghurt). Menschen mit höherem Bildungsniveau konsumieren vermehrt Gemüse, Früchte, Brot, Reis, Mehl und Teigwaren anstelle von Fleisch. Die Ernährungsgewohnheiten dieser Haushalte hängen im Wesentlichen ab von: Geschmack, Zeitverfügbarkeit, Gesundheitsbewusstsein und/oder ökologischem Bewusstsein.

Die Ernährung landwirtschaftlicher Haushalte besteht großteils aus traditionellen Lebensmitteln wie Brot, Mehl, Äpfeln, Birnen und Schweinefleisch. Ernährungsgewohnheiten Angestellter und Selbständiger werden vor allem durch Zeitbeschränkungen bestimmt, und damit einer Präferenz für Lebensmittel, die schnell zubereitet werden können. Einkommenseffekte führen dazu, dass Angestellte in hohen Positionen den größten Anteil an Rind- und Kalbsfleisch konsumieren. Der Nahrungsmittelkonsum spiegelt Familienstrukturen wider, die sich aus unterschiedlichen Geschmäckern und Ernährungsempfehlungen (z.B. erhöhter Kalziumbedarf von Kindern) ergeben. Daher konsumieren Haushalte ohne Kinder (Single- und Erwachsenenhaushalte) höhere Mengen an Gemüse, Obst und Fleisch als Alleinerziehende und Familienhaushalte. In Bezug auf Unterkategorien bestehen jedoch nur schwache Unterschiede. Ein relevanter Trend ist allerdings, dass Haushalte ohne Kinder mehr Rindfleisch und weniger Schweinefleisch und Geflügel konsumieren, die bei Familienhaushalten sehr beliebt sind. Zur Berechung von Umwelteffekten des Lebensmittelkonsums in Kapitel 3 wurden zwei Indikatoren ausgewählt: CO2 Äquivalente Emissionen für den Bereich Klimawandel und Materialinput für den Bereich Ressourcennutzung. Der Effekt auf beide Indikatoren wurde separat berechnet und dann verglichen. Als Basis wurden die Präferenzen der Haushaltsgruppen für verschiedene Fleisch-, Gemüse- und Obstarten genommen und diese mit den Präferenzeffekten eines Durchschnittshaushaltes verglichen.

Hauptergebnis ist, dass die Umwelteffekte des Fleischkonsums jene der anderen Lebensmittelkategorien dominieren; das bedeutet dass nachhaltige Präferenzen in den Kategorien Obst und Gemüse unnachhaltige beim Fleisch nicht kompensieren können. Die stärksten Effekte bei beiden Indikatoren haben Haushalte mit hohen Angestelltenstatus, hohem Einkommen, gefolgt von hoch gebildeten und Single Haushalten. Junge Haushalte haben ebenso negative Effekte, allerdings sind diese für den Indikator Materialinput wesentlich stärker. Landwirte und Haushalte mit unteren und mittleren Angestellten/Arbeitern tragen wegen ihrer traditionellen Essgewohnheiten wesentlich weniger zu Emissionen und Materialverbrauch bei.

Diese Ergebnisse geben jedoch keine Auskunft über die Umwelteffekte, die auf absolut konsumierten Mengen beruhen. Um einen ersten Eindruck dieser Wirkungen zu bekommen, haben wir die relativen Anteile von verschiedenen Lebensmittelkategorien nach sozioökonomischen Gruppen berechnet. Es zeigt sich hier, dass die obigen Schlussfolgerungen modifiziert werden müssen. Jene Gruppen, die schlecht abschneiden, haben einen höheren Anteil an Obst und Gemüse relativ zu Fleisch gemessen am Gesamtkonsum, was ihre Klassifikation als unnachhaltige KonsumentInnen relativiert.

Abschließend werden in Kapitel 4, basierend auf oben genannten Ergebnissen und einem Stakeholder Workshop, Empfehlungen für Maßnahmen entwickelt. Wir haben uns dabei auf zwei Hauptergebnisse konzentriert. Einerseits scheinen Maßnahmen, die vor allem das Verhalten von jüngeren und/oder wohlhabenden Haushalten in hohen Positionen beeinflusst sinnvoll, um den Trend hin zu nachhaltigerem Lebensmittelkonsum zu verändern. Diese Gruppen machen allerdings nur einen kleinen Anteil an den österreichischen Haushalten aus; daher ist es auch wichtig, Maßnahmen zu entwickeln, mit denen die große Gruppe der Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen und Positionen ermutigt wird, ihre traditionellen Eßgewohnheiten beizubehalten UND mehr biologische Lebensmittel zu konsumieren, sowie den Fleischkonsum zu reduzieren. Auf der einen Seite sind Maßnahmen zu empfehlen, die zu einem verringerten Konsum jener Lebensmittel führt, die am unnachhaltigsten sind: Fleisch, hier vor allem Rindfleisch und Wurstwaren. Prinzipiell ist es wichtig, Maßnahmen zu setzen, die für die KonsumentInnen ansprechend sind, über “ihre” Medien eingesetzt werden und zur Verhaltensänderung motivieren.

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