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SERI-Netzwerk-Newsletter 2/2011

Terminaviso

Themenschwerpunkt

Mission Reports

Aus unserer Werkstatt

Aus unserer Schreibfeder

Für Sie/dich gelesen

Möglichkeiten zur Mitarbeit

Ausblick auf den Newsletter 3/11

Liebe Freundinnen und Freunde, willkommen zur zweiten Ausgabe unseres SERI-Netzwerk-Newsletters!

Terminaviso

SERI-Heuriger und Einweihung des neuen Büros

Da unser Büro schon wieder aus allen Nähten platzte und sich die Möglichkeit ergab, noch einmal innerhalb des Hauses Garnisongasse 7 umzuziehen, haben wir im August alle Sachen gepackt und sind mit einem Teil des Büros ein Stockwerk tiefer gezogen. Unsere neue Adresse lautet daher Garnisongasse 7/17, 1090 Wien.

Um dies gebührend zu begehen, haben wir beschlossen, den nächsten SERI-Heurigen in unseren neuen Räumen abzuhalten und zwar

am 14. November 2011, ab 18 Uhr.

Für Speis und Trank wird aus gegebenem Anlass gesorgt. Wir bitten, den Termin schon einmal vorzumerken. Eine echte Einladung folgt in den nächsten Wochen.

Themenschwerpunkt

Nachhaltigkeitskommunikation

Von 30. Juni bis 1. Juli fand in Wien in den ehemaligen Räumlichkeiten der Wiener Werkstätte GreenID statt, ein internationales Austauschforum für Informationsdesign. GreenID beschäftigt sich mit nachhaltigem Informationsdesign. Darunter versteht man nicht nur ökologische Produktionsweisen und Recycling von Materialien, sondern in erster Linie auch die fundierte Planung des gesamten Prozesses von Anfang an. Nachhaltiges Design beginnt mit einem strategischen Konzept, der Wahl der richtigen Medien und einem optimal reduzierten Kommunikationsfluss, der dennoch die Informationsbedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe erfüllt. Zusammen mit einer bunten Truppe von Grafikdesignern, Kommunikationsforschern und Umweltpsychologen aus Europa, den USA und Lateinamerika war SERI als österreichischer Pionier in der Nachhaltigkeitskommunikation Teil dieses inspirierenden Austauschforums, um an den neuesten Entwicklungen und Trends im Informationsdesign mitzuarbeiten.

Doch was genau ist eigentlich „Informationsdesign“? Das International Institute for Information Design (IIID) versteht darunter das Definieren, Planen und Formen der Inhalte einer Botschaft und ihres Umfeldes, in dem sie präsentiert wird, mit dem Ziel, die Informationsbedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe zu erfüllen. Vielerlei Voraussetzungen sind für die Erreichung dieses Ziels notwendig: Zunächst brauchen wir natürlich ein grundlegendes Verständnis der Inhalte, die visuell umgesetzt werden sollen. Ebenso ist es wichtig, die kommunikative Wirkung visueller Elemente und wie sie zusammenspielen zu verstehen, etwa die gemeinsame Wirkung von Bild, Text und anderer, nicht-visueller Information. Das Befolgen formaler Spielregeln, die helfen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und zu halten, hilft auf entscheidende Weise beim Transportieren von Botschaften. Kenntnisse über die menschlichen Kommunikationswege, die Wahrnehmung und kognitive Verarbeitung von Information unter Bezugnahme aller Sinne bilden die Basis für gelingendes Informationsdesign. Wir brauchen also ein grundlegendes Verständnis von kognitiver Psychologie, Linguistik, Sozial- und Politikwissenschaften, aber auch von IT und Statistik, um komplexe Inhalte, wie beispielsweise unsere Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung, verschiedenen Zielgruppen zugänglich zu machen. Nicht zuletzt müssen wir mit den jeweils relevanten Gebräuchen, Normen und den unterschwelligen Annahmen vertraut sein und mit Rücksicht auf die verschiedenen kulturellen Hintergründe der EmpfängerInnen arbeiten können. Ein breites Betätigungsfeld!

Ein Pionier des Informationsdesigns war gewiss der österreichische Philosoph, Soziologe und Ökonom Otto Neurath, der 1882 in Wien geboren wurde. Er war Mitglied des philosophischen „Wiener Kreises“ und entwickelte gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz und seiner späteren Frau Marie Reidemeister die „Wiener Methode der Bildstatistik“ zur Darstellung statistischer Zusammenhänge in leicht verständlicher Form. Nach der Emigration nach Den Haag in den 30er Jahren entstand aus der Wiener Methode die Bildersprache der Piktogramme, die ab da unter dem Akronym „Isotype“ (International System of Typographic Picture Education) bekannt wurde. Nachdem sie erneut nach England fliehen mussten, setzten Otto und Marie Neurath ihre Arbeit in Oxford fort und gründeten das Isotype Institute. Ihre Pionierarbeit ist in Österreich kaum bekannt, bildet aber die historische Basis heutigen Informationsdesigns.

Die in Wien ansässige Non-Profit-Organisation IIID (International Institute for Information Design) sieht ihre Wurzeln in Neuraths Arbeit. Sie hat sich das Ziel gesetzt, mit den Mitteln visueller Kommunikation und anderer Kommunikationsformen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis innerhalb der Gesellschaft, mit Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten und ökonomische Erfordernisse, beizutragen. Im Zentrum des Interesses steht Grafikdesign und sein Potential, soziale und sprachliche Hürden zu überwinden. In diesem Sinne arbeitet IIID in enger Kooperation mit internationalen Universitäten, Forschungsinstitutionen und Designern an der Etablierung von Informationsdesign als eigenständiger Disziplin in der Schnittmenge von Forschung und professioneller Praxis. Eine der Früchte dieser Kooperation ist das in etwa Zweijahresabständen stattfindende GreenID Austauschforum.

Einer der wesentlichen Gedanken des Forums ist jener, dass gute Kommunikation Menschen ermächtigen kann – Information ist aber nur dann von Wert, wenn sie auch verstanden wird. Wollen wir zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft beitragen, so ist die gute Kommunikation des in Forschungsprozessen generierten Wissens unerlässlich. Informationsdesign hilft uns auf diesem Weg, und sein wesentlicher Mechanismus ist nicht die Komplizierung, sondern im Gegenteil: die Vereinfachung. Dieser Mechanismus funktioniert vor allem über einen Weg: Statt der Worte Bilder zu finden. Die menschliche Wahrnehmung orientiert sich in erster Linie an Bildern im weitersten Sinne – also an Inhalten, die gewisse Geschichten erzählen, Gefühle und Interesse wecken. In Zeiten des beständigen Informations- und Bilderüberflusses, angesichts dessen wir Menschen mehr und mehr Information filtern und ausblenden müssen, um überhaupt noch handlungsfähig zu bleiben, müssen Zusammenhänge auf einfach zu verstehende Weise vermittelt werden. Gerade im Bereich von Umwelt und Nachhaltigkeit fühlen sich Menschen zumeist überfordert und hoffnungslos; es existiert zwar ein weit verbreitetes Problembewusstsein, auch oder vor allem besonders unter jungen Menschen, aber konkrete Handlungsmöglichkeiten sind meist nicht ersichtlich. An diesem Punkt will SERI in Zukunft vermehrt ansetzen: Nachhaltigkeitskommunikation nahe am Menschen, die individuelle Relevanzen und Optionen aufzeigt und die den Menschen als aktive Gestalter ihrer eigenen Welt begegnet.

Webtipps:

www.eingutertag.org – interaktive Website, die mit einem Punktesystem dabei hilft, ein Gefühl für die Umweltauswirkungen der eigenen alltäglichen Handlungen zu entwickeln

www.backgroundstories.com – Visuelles Storytelling für die Nachhaltigkeitskommunikation

www.re-nourish.com – Online Tool für nachhaltiges Grafikdesign

www.memo.de – nachhaltige Büromaterialien

www.diesellerie.com – nachhaltiger Geschenke-Shop in Wien

www.vienna.the-hub.net – offenes Büro für Leute mit Ideen

www.studiodeluxe.at – junges Ecodesign-Atelier in Wien

http://iiid.net/ – International Institute for Information Design

Buchtipp:

Green Graphic Design. Celery Design Collaborative 2008. (DP)

Mission Reports

Sigrid Grünberger beim Zukunftssymposium im Salzkammergut: Nachhaltige Lebensstile

Am 17. und 18. Juni 2011 lud das Frauenforum Salzkammergut zum 3. Zukunftssymposium unter dem Thema “Paradigmenwechsel Nachhaltigkeit” ein. Auf der Suche nach tiefgreifenden Transformationsprozessen standen zwei Tage lang nachhaltige Ideen und Projekte im Mittelpunkt.

Neben Vorträgen von Nachhaltigkeitsjournalistin Angelika Wohofsky und Regionalmanager Johannes Meinhart hielt SERI-Forscherin Sigrid Grünberger am Freitag einen Impulsvortrag zum Thema „Nachhaltige Lebensstile“. Alle drei Impulsvorträge setzten sich kritisch mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ auseinander und beleuchteten die Prozesse rund um diesen Begriff aus unterschiedlichsten Perspektiven, was im Anschluss an die Vorträge zu lebhaften Diskussionen führte.

Im Worldcafé am Samstag wurden die Themen „BürgerInnenbeteiligung“, „Nachhaltiger Lebensstil“ und „Cult of Less“ in Kleingruppen diskutiert und kreativ bearbeitet, wodurch Bewusstsein für nachhaltiges Leben bei den TeilnehmerInnen geschaffen wurde.

Mehr Informationen zum Zukunftssymposium finden sie hier.


Stephan Lutter bei der MELIA Konferenz in Marokko

Vom 19. Bis 21. Juni 2011 nahm SERI-Forscher Stephan Lutter an der EU FP6 Konferenz unter dem Titel „Integrated Water Resource Management in the Mediterranean: Dialogue Towards New Strategy” zu dem Projekt MELIA (Mediterranean dialogue on integrated water management) teil.

Stephan Lutter hielt zwei Präsentationen bezüglich seiner Forschungsergebnisse und aktuellen Forschungsaktivitäten in Bezug auf Messungen des Wasserverbrauchs und die Erhebung des Wasserverbrauchs durch verschiedene Sektoren und Benutzer.

Die Konferenz war ein großer Erfolg, die Notwendigkeit für ein nachhaltiges Wassermanagement in der Mittelmeerregion wurde erkannt und Herausforderungen sind ebenso vielfältig wie dringend: das rapide Bevölkerungswachstum bei gleichzeitiger Verknappung von Wasserressourcen, rudimentäre Techniken und Fehlen von Bewusstsein seitens der Öffentlichkeit und EntscheidungsträgerInnen bezüglich u.a. den Einfluss des Klimawandels – u.v.m.

Das MELIA-Projekt endet im August 2011. Das Ziel, einen Dialog zwischen WissenschaftlerInnen, EntscheidungsträgerInnen und der Öffentlichkeit herzustellen, wurde erreicht. Jedoch ist noch immer viel zu tun und das Konsortium möchte die Dynamik aus dem MELIA-Projekt direkt nützen, um einen weiteren Schritt hin zu einem nachhaltigen Wassermanagement in der Mittelmeer-Region zu machen.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die MELIA-Website


Alles eine Frage der Haltung – ein Besuch bei TONIs Freilandeier

Am Mittwoch, dem 24. August 2011, hatten SERI Mitarbeiterinnen Eva Burger und Julia Haslinger die Gelegenheit, den Bio-Musterbetrieb von Toni Hubmann anlässlich einer Pressefahrt zu besuchen.

In einem gemeinsamen Projekt hat SERI im letzten Jahr gemeinsam mit den TONI Expertinnen und Experten Ideen zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit entwickelt. Es ist eine Freude zu sehen, was das engagierte TONI Team bereits in Toni Hubmann’s Musterbetrieb bereits umgesetzt hat. Seine Lieferanten wurden von Toni angeregt, ihre Produktionsstandards in den nächsten Jahren durch ähnliche Maßnahmen Schritt für Schritt zu verbessern.

Die Zusammenarbeit fand im Rahmen des REWE Nachhaltigkeitsprogramms statt und SERI hat gemeinsam mit Global 2000 den CO2-Fußabdruck, den Wasser-Rucksack, die Landnutzung und den Materialverbrauch entlang des Produktlebenszyklus analysiert. Eine wichtige Erkenntnis war, dass das Sojafutter aus Südamerika ein zentraler Stellhebel für Umwelt- und Sozialeffekte ist und dass der Umstieg auf Soja aus dem Donauraum ein zentraler Schritt wäre. Nähere Informationen zu dem abgeschlossenen Projekt: REWE-Nachhaltigkeitsprogramm

Die gesetzten Maßnahmen umfassen Wintergarten, Sandbäder, Blüh- und Fluchtstreifen sorgen gleichzeitig für Verbesserung für das Tierwohl und für die Umweltkennzahlen.
Da Hühner den Schatten bevorzugen und recht ängstliche bzw. schutzbedürftige Tiere sind werden beim Mähen Blüh- und Fluchtstreifen stehen gelassen. Die Innovation hat sich schon als sehr fruchtbar herausgestellt, die Hühner fühlen sich nun noch ein Stück wohler und auch für die Biodiversität sind die blühenden Gräser förderlich.
Die Bepflanzung der Stallnahen Kahlflächen ist eine weitere Maßnahme von TONI. Die Hühner sollen nach dem Verlassen des Wintergartens möglichst schnell wieder in den Schatten gelangen und Unterschlupf finden, damit sie auch die ganze Auslauffläche nützen. Die Kahlstellen vor den Ställen sind mit Gras praktisch unmöglich zu bepflanzen, jedoch gedeihen Kren, Brennnessel, Holler oder Birke dort sehr gut. Die Bepflanzung unterstützt die Bindung von Stickstoff und Phosphor aus dem Boden, CO2 und Feinstaub aus der Luft und das bedeutet eine Schonung von Boden, Wasser und Luft.
Die Sandbäder schützen die Hennen vor Parasiten, wie z.B. die rote Vogelmilbe und der Wintergarten vor den Ställen bietet den Hühnern einen weiteren Lebensraum an der frischen Luft, beide Maßnahmen kommen vor allem dem Tierwohl zugute.

Aus unserer Werkstatt

Wiederbelebung unseres Blogs

Wir arbeiten daran, unseren Blog www.esgehtumwas.at, der jetzt seit Ende 2009 auf Eis liegt, wieder zu beleben. Schon heute finden Sie hier einen Beitrag von Fritz Hinterberger, der uns an seiner Urlaubslektüre teilhaben lässt.

Boom oder Krise – (M)eine Urlaubslektüre

Als Anfang August wieder einmal die Börsenkurse in den Keller rasselten, habe ich mir vom Buchhändler meines Vertrauens drei Bücher geholt und mir aufs Urlaubs-Nachtkästchen gelegt. Meine Frage, die mich schon seit einiger Zeit bewegt, in der nicht nur die Politik, sondern auch Wirtschaft und Wirtschaftsforscher so tun, als sei schon alles wieder gut, der Aufschwung da, das gröbste hinter uns: war es wirklich nur ein kleiner Aussetzer des weltweiten Wirtschaftsmotors oder kommt der große Absturz erst noch. In Österreich scheinen wir ja, wie es unsere Art ist, einen Mittelweg gefunden zu haben: die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Wir wurschteln uns schon durch.
Das erste meiner drei Bücher ist gleichzeitig das umfangreichste: auf über 450 Seiten beschreiben Nouriel Roubini und Stephen Mihm „Das Ende der Weltwirtschaft und Ihre Zukunft“ (Goldmann Taschenbuch). Roubini, Professor an der New York University, hatte sich 2006 einen Namen gemacht, weil er die Finanz- und Wirtschaftskrise in ihrem Ablauf ziemlich genau vorher gesagt hat. Jetzt zeichnet er die Entwicklung nicht nur ausführlich nach, sondern vergleicht sie mit vielen anderen, ganz ähnlichen „Krisen“ – etwa den globalen Krisen von 1630, 1720, 1825, 1907, 1929, 2009 – aber auch den vielen regionalen Krisen der letzten Jahrzehnte, die in den betroffenen Ländern und Branchen (Japan, Indonesien, Thailand, Russland, Argentinien, dot.com) teilweise noch verheerender waren als die, in der wir uns gerade befinden (oder ist sie schon wieder vorbei).
Man gewinnt den Eindruck, dass spekulative Blasen und deren Platzen nicht die Ausnahme sind, sondern die Regel. 450 Seiten lassen sich nicht in einem Satz zusammen fassen. Was in meinem Kopf hängen bleibt, ist das „über die eigenen Verhältnisse leben“ (S. 117) in Teilen der Weltwirtschaft, das (zu) lange von Sparern in anderen Teilen finanziert wird. Wenn diese Finanzierung dann abgezogen wird, weil die Investoren kalte Füße bekommen, kommt eine Kettenreaktion in Gang, die – wenn auch für manche vorhersehbar – schwer in den Griff zu bekommen ist. Genau diese Kettenreaktion wird von Roubini und Mihm sehr verständlich beschrieben und es liest sich schon etwas gespenstisch, wenn man die Kommentare der letzten Wochen noch im Ohr hat.
Roubini und Mihm sagen aber auch, dass eine (und welche) Politik nötig ist, die solche Krisen seltener und schwächer ausfallen lässt, und die die Auswirkungen wirkungsvoller bekämpft. Eine klare Absage an das marktgläubige „es geht schon wieder aufwärts“. Was mir an diesem wirklich spannenden Buch fehlt, ist der tiefere Grund für die Krisen. Die Autoren beschreiben zwar die Auswirkungen der finanziellen Prozesse auf die „Realwirtschaft“, aber nicht ob es nicht irgendwo im realen Wirtschaftsgeschehen vielleicht Prozesse gibt, die dazu führen, dass Blasen entstehen und – wie Roubini und Mihm zeigen – notwendigerweise platzen.
Genau hier setzt Elmar Altvater an. „Der große Krach oder die Jahrhundertkrise von Wirtschaft und Finanzen, von Politik und Natur“ (Westfälisches Dampfboot) schaut genau genommen nicht nur auf die Realwirtschaft, sondern auf die dahinter liegenden Kräfte, die diese treiben: Arbeit und natürliche Ressourcen. Als Marxist beruft er sich natürlich auf die Widersprüche, die den Produktionsverhältnissen in Bezug auf diese „Produktionsfaktoren“ (ein Begriff, den er so natürlich nicht verwenden würde) zugrunde liegen. Auch wenn der technische Fortschritt es ermöglicht, aus Arbeit und Ressourcen immer mehr zu machen: letztlich sind beide nicht beliebig vermehrbar – nehmen teilweise sogar ab. Kapital – der zentrale Begriff der Finanzwirtschaft – basiert letztlich auf menschlicher Arbeit und natürlichen Ressourcen. Und um Kapital zu bilden, muss beim Konsum gespart werden.
Da die Finanzwirtschaft aber die ständige Akkumulation von Kapital erfordert, geht sich das (wiederum unzulässig stark vereinfacht) irgendwann nicht mehr aus. Die Blase platzt die Krise ist da. In diese Analyse, endlich auch die „Naturverhältnisse“ angemessen einbezogen zu haben, ist das große Verdienst von Altvaters „Beitrag zur von Pierre Bourdieu schon 1998 angemahnten ‚ökonomischen Alphabetisierung‘ “.
Auch Altvater fordert eine beherzte „Politik gegen die Krise“. „Reparatur? Reform? Sozialismus!“ heißt das entsprechende Kapitel und macht schon in der Überschrift klar, wohin der Hase läuft. Letzterer wird auf 20 Seiten dann doch relativ dünn beschrieben. „Solar, demokratisch, solidarisch“ soll er sein, der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. Zur notwendigen Reparatur des Finanzsystems finden sich fünf Punkte, die von Roubini und Mihm auf über 200 Seiten wesentlich profunder dargestellt werden.
Dazwischen steht ein „Postkeynesianischer Staatsinventionismus“, den Altvater als „Sackgasse“ denunziert, weil er die ökologischen und sozialen Probleme nicht an der Wurzel packt. Diese Probleme effektiv anzupacken ist aber jedenfalls notwendig und kann gar nicht verkehrt sein. Hier hilft – zumindest was die ökologische Seite – betrifft, mein drittes Buch weiter: „Das grüne Wirtschaftswunder“ vom oberösterreichischen Energie- und Umweltlandesrat Rudi Anschober (Ueberreuter). Mit einer Krise hält Anschober sich gar nicht auf. Ihm geht es darum, zu zeigen, „wie die Energierevolution funktioniert und wie jeder davon profitiert“. Das ist erfrischend optimistisch und zeigt, was zwischen Sattledt in Oberösterreich und Wuxi in China schon alles funktioniert, um zumindest die Klimakrise in den Griff zu bekommen und gleichzeitig wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Man müßt‘ es nur machen, denn schließlich sind es defakto immer noch Nischen, in denen das wichtige und richtige funktioniert.
Ist das der Ausweg? Ein neuer Boom, keine Blase? Ließe sich so Kapital in ausreichendem Maße akkumulieren, um ein „grünes Wachstum“ für die nächsten Jahrzehnte zu ermöglichen. Oder würden wir auch „grün“ über unsere Verhältnisse leben? Wie gesagt: ohne „grünes Wirtschaftswunder“ geht es nicht. Aber auch Anschober erzählt nur einen Teil der Geschichte. Und so schließt sich der Kreis – die drei Bücher zusammen zu lesen, macht Sinn.
Und wie sieht es auf der sozialen Seite aus? Was ist, wenn sich die Lebensqualität derer, die schon einigermaßen viel haben, auch ohne weiteres Wachstum aufrechterhalten lässt? Bricht dann das Finanzsystem endgültig zusammen. Zu Hause liegen noch einige Bücher, die mir darauf Antworten versprechen. Raimund Dietz‘ „Geld und Schuld“ (Metropolis) zum Beispiel, Michaela Mosers und Martin Schenks „Es reicht – für alle“ (Hanser) und meines verehrten Lehrers Kurt Rothschilds und Hans Bürgers „Wie Wirtschaft die Welt bewegt“ (lesethek).
Und vielleicht komm ich ja endlich dazu, mein eigenes Buch zu schreiben. Immerhin erscheint im Dezember unser völlig überarbeitetes „Argumentarium“ zum Thema Wachstum auf englisch (Earthscan). Auch ein Beitrag zur ökonomischen Alphabetisierung.
Weil aber Urlaub ist, hab ich dann doch noch ein paar belletristische Bücher gelesen, in denen es aber auch in der einen oder anderen Form. Für’s Herz die Liebesgeschichte(n) „Das elektrische Herz“ von Peter Stephan Jungk, aber auch Henning Mankells „Die flüsternden Seelen“ (dtv), für die Lachmuskeln Kurt Palms (k)ein Alpenkrimi „Bad Fucking“ (rororo) und für’s Hirn Veit Heinichens neuer Triest-Krimi „Keine Frage des Geschmacks“ (Zsolnay). Alle drei können – wie die drei Sachbücher – wärmstens empfohlen werden. (FH)

Aus unserer Schreibfeder

Sustainable Development: Capabilities, Needs and Well-being

Dieses Buch wagt sich auf neues Terrain, da es sich erstmals mit den Verbindungen zwischen Nachhaltiger Entwicklung, Bedürfnissen, Wohlbefinden und dem „Capability- Ansatz“ intensiv auseinandersetzt.

Nachhaltige Entwicklung wird zumeist definiert als eine Entwicklung, die es ermöglicht die Bedürfnisse der jetzigen und der künftigen Generationen zu erfüllen. Bislang wird in der politischen und wissenschaftlichen Debatte auf das Konzept der Bedürfnisse häufig verzichtet, obwohl das Konzept der nachhaltigen Entwicklung dadurch von einem abstrakten kognitiven Konzept zu einer greifbaren Idee wird, die Menschen direkt betrifft und berührt.

Die Diskussion über Bedürfnisse sowie Wohlbefinden spricht die LeserInnen direkter an als Diskussionen über Grenzwerte, Substituierbarkeit und ähnliche Aspekte der wissenschaftlichen Debatte über Nachhaltigkeit.

Die AutorInnen der verschiedenen Kapitel erklären die einzelnen Konzepte bzw. verbinden diese mit anderen wissenschaftlichen Denkansätzen. Auf der einen Seite gibt es den Capability-Ansatz, der häufig dazu verwendet wird, die Brundtland Definition von Nachhaltiger Entwicklung in die Praxis umzusetzen. Auf der anderen Seite sind die Bedürfnisse grundlegend an das Wohlbefinden gebunden, das einen wesentlichen Antrieb für menschliches Handeln darstellt.

Dieses gedankenanregende und auch durchaus zu Kontroversen einladende Buch fordert den Leser und die Leserin heraus die Rolle von Bedürfnissen auf Basis der angeführten philosophischen Argumente zu überdenken, zu verstehen, wie Nachhaltigkeit ein Teil des Capability-Ansatzes werden kann und die Beziehung zwischen Capabilities, Bedürfnissen und Wohlbefinden in einem neuen Licht zu sehen. Die HerausgeberInnen streichen die Möglichkeiten und Herausforderungen einer auf Bedürfnissen basierenden Nachhaltigkeitspolitik für EntscheidungsträgerInnen heraus.

Dr. Felix Rauschmayer ist Senior-Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, Deutschland.

Dr.in Ines Omann ist Senior-Forscherin am Sustainable Europe Research Institute in Wien. Sie hat auch einen Lehrauftrag in ökologischer Ökonomie und Nachhaltigkeit an der Universität in Graz und der Universität für Bodenkultur in Wien.

Mag. Johannes Frühmann ist Forscher am Sustainable Europe Research Institute in Wien.

Sustainable Development

Capabilities, Needs, and Well-being

192 Seiten, Routledge (Routledge Studies in Ecological Economics) London, 2011

ISBN: 978-0-415-58652-8

Preis: 97 €

www.routledge.com/books/details/9780415586528

Für Sie/dich gelesen

Science & Fiction: ein Krimi zur Währungskirse
Vor einem Jahr hat Markus Will, Wirtschaftsjournalist und ehemaliger Kommunikationsdirektor der Investmantbank Merrill Lynch seinen ersten Roman vorgelegt – genauer gesagt: einen Krimi. „Bad Banker“ ist nicht nur spannend geschrieben, Sex&Crime und alles was dazu gehört, sondern auch erhellend: der Plot spielt von Ende 2006 bis Ende 2009 und beschreibt aus einer Insider-Perspektive, wie der Finanzcrash 2008 abgelaufen ist.

Wer z.B. immer schon einmal wissen wollte (und vielleicht nicht zu fragen wagte), was eigentlich ein „Stress Test“ ist, bekommt es hier unterhaltsam aber auch fachlich tiefgehend erklärt. Für mich ein „must read“!

Am 1.10. erscheint nun die Fortsetzung. Und wie der Titel „Der Schwur von Piräus“ schon vermuten läßt, geht es um Griechenland, die Währungskrise und ist wieder ein Krimi. Die ersten 40 Seiten sind schon online herunter zu laden. Da werden die Protagonisten in Stellung gebracht und es gibt auch schon den ersten Toten. Teilweise liest es sich ein wenig wie ein Lehrbuch der Währungspolitik, was in Zeiten wie diesen nicht schaden kann. Ich freue mich schon auf den ganzen Schmöker. Für viele SERI-Mitglieder ist Will’s Mischung aus Science und Fiction sicher etwas, das sie mit Spaß und fachlicher Bereicherung verschlingen werden. Science/Fiction in Echtzeit für das Hier&Jetzt.

Fragen Sie den Buchhändler Ihres Vertrauens oder bestellen Sie über http://markuswill.com/ (FH)

Möglichkeiten zur Mitarbeit

(Projekt)ControllerIn am SERI

TÄTIGKEITSPROFIL:

  • Unterstützung der ProjektleiterInnen und der Geschäftsführung in der finanziellen und risikotechnischen Kontrolle und Steuerung von Projekten
  • Erfassen der wesentlichen vertraglichen Grundlagen der Forschungsprojekte im Hinblick auf Rechte und Pflichten, die für das Unternehmen aus den Verträgen erwachsen
  • Projektbudgeterfassung basierend auf Vertrag und Informationen der Projektleiter
  • Anstellen von Projekt Soll/IST-Vergleichen
  • Aufbereiten von Daten für die Abrechnung und Dokumentation von Projekten
  • Aggregation und Analyse von entscheidungsrelevanten Management Informationen
  • Maßgebliches Mitwirken an der Einführung einer (Projekt)controllingsoftware

VORAUSSETZUNGEN:

  • Kaufmännisch fundierte Ausbildung mit Schwerpunkt im Finanz- und Rechnungswesen
  • Mindestens 3 Jahre einschlägige Berufserfahrung
  • Know How im Hinblick auf den Einsatz von (Projekt)Controlling-Software
  • Freude am Strukturieren/Reorganisieren von Arbeitsprozessen
  • Freude am Analysieren von umfassendem Datenmaterial
  • (Projekt)ControllerIn als DienstleisterIn in der Organisation
  • Von Vorteil: Erfahrung mit geförderten Projekten (EU, FFG)

TEILZEITBESCHÄFTIGUNG (30 Stunden)
ENTLOHNUNG in Abhängigkeit der Qualifikation, rund EUR 2.100,– für 30 Stunden
Wenn Sie sich angesprochen fühlen und Interesse haben senden Sie ihren Lebenslauf und Zeugnisse an Petra Gölli.
(PG)

Mitarbeit am SERI

Die breiten Themenbereiche und die besondere SERI-Kultur sprechen jährlich engagierte junge Leute an.
Es ist möglich SERI via Projektarbeit kennenzulernen. Zumeist erstrecken sich diese Projekte über einen Zeitraum von 3 Monaten.

Bei Interesse melde dich bitte mit kurzem Motivationsschreiben (inhaltlichem Interesse) und Lebenslauf. (PG)

Stellenausschreibungen Schachinger Logistik

Das Logistikunternehmen Schachinger ist ein mittelständisches Unternehmen mit 600 MitarbeiteInnen und macht sich auf den Weg in Richtung Nachhaltigkeit. Das Unternehmen wurde nun das erste institutionelle Mitglied im SERI-Netzwerk und wir unterstützen es gerne beim Aufbau einer Nachhaltigkeitsabteilung auf hohem Niveau.
Folgende Profile sind ausgeschrieben und sollen zunächst auf 3 Stellen verteilt werden:

  • Persönliche Assistenz für Maximilian Schachinger jr.
  • Projektmanagement Logistik
  • Kommunikation und Marketing Nachhaltigkeit
  • Projektmanagement Nachhaltigkeit
  • Nachhaltige Bauprojekte und strategisches Facilitymanagement
  • Entwicklung – Prozessbegleitung als Personal- und/oder Unternehmensentwicklerin

Nähere Informationen zum Unternehmen finden Sie hier und Imformationen zu den einzelnen Positionen hier.

Ausblick auf den Newsletter 3/11

Bericht von World Resources Forum in Davos
Fritz Hinterberger, Stefan Giljum, Stephan Lutter, Julia Haslinger und Martin Bruckner nahmen vom 18.-21. September 2011 am World Resources Forum in Davos teil. Ein ausführlicher Bericht dazu wird das Schwerpunktthema des nächsten Newsletters (FH).



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