Grüne Industrien für Peru – SERI Studie zeigt nachhaltige Entwicklungspfade für das junge Industrieland auf

Im Rahmen einer Videokonferenz präsentierte SERI-Mitarbeiterin Christina Buczko am 17. Juni eine Studie, die im Auftrag der UNIDO erarbeitet wurde. Darin wird der Ressourcenverbrauch ausgewählter Industrien des Landes untersucht und Empfehlungen für die künftige Ausrichtung der Industriepolitik des Landes präsentiert. Peru ist das zweite Land, das sich der „Partnership for Action on Green Economy“ angeschlossen hat. Diese PAGE abgekürzte Initiative war 2012 im Anschluss an die internationale UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung, kurz Río+20, ins Leben gerufen worden und wird von fünf UN-Teilorganisationen getragen. Das Programm will junge Industriestaaten dabei unterstützen, nachhaltige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen.

Die peruanische Wirtschaft wies in den vergangenen Jahren trotz globaler Krise ein relativ konstantes Wachstum auf. Perus Wirtschaft ist jedoch in hohem Maße vom Export von Rohstoffen (Kupfer, Gold oder Blei) oder Halbfertigprodukten (Futtermittel, Fischöl u.a. abhängig. Die Armut in Peru konnte zwar in der Vergangenheit gesenkt werden, aber die sozialen Kosten und die Umweltkosten dieser Art von Entwicklung waren hoch. Zudem litt Perus Wirtschaft unter dem Preisverfall auf internationalen Rohstoffmärkten. Die Herstellung von Hochtechnologieprodukten spielt in dem Land bisher kaum eine Rolle. Sie machen gerade einmal 3% der Exporte aus. Entsprechend niedrig sind die öffentlichen Ausgaben für Forschung & Entwicklung. Laut OECD lagen sie im Jahr 2011 bei nur 0,1% des BIPs. Zu den zentralen Herausforderungen für die Weiterentwicklung des Industriesektors zählen der hohe Anteil von Kleinst- und Kleinbetrieben (rund 98%) sowie die informelle Beschäftigung (74% bezogen auf die Gesamtwirtschaft). Die Ressourcenproduktivität des Landes ist zwischen 1980 und 2008 um 29% gesunken. Der Materialverbrauch erfuhr im gleichen Zeitraum eine Steigerung von 250 Mio. auf 760 Mio. Tonnen. Dies entspricht einem Anstieg des Pro Kopf-Verbrauchs von 14,5 auf 26,4 Tonnen.

Die Studie stellt fest, dass gegenwärtig die metallverarbeitende Industrie, die Viehzucht, der Bausektor und die Mineralindustrie den höchsten Materialverbrauch aufweisen. Und sie zeigt anhand von drei Pilotsektoren die Maßnahmen auf, die geeignet sind, eine nachhaltige oder “grüne” Industriepolitik in Angriff zu nehmen:

  • Ausarbeitung gezielter Strategien zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität in der Industrie und damit die Förderung sozial- und umweltverträglicher Formen der Wertschöpfung,
  • eine Ausbildungsoffensive und die gezielte Förderung des KMU-Sektors,
  • der Zugang zu Finanzierung und Kapital,
  • eine Verbesserung der Datenlage als Evidenzbasis für die Entwicklung weiterführender politischer Strategien und ihrer nachfolgenden Evaluierung.

Insgesamt gilt, dass eine nachhaltige Industrieentwicklung neben dem Schutz der natürlichen Ressourcen und einer Erhöhung der Lebensqualität viele wirtschaftliche Chancen für aufstrebende Länder wie Peru beinhaltet. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit der peruanischen Ökonomin Lourdes Fernández Felipe-Morales entstand, zeigt die vielen Vorteile auf, die mit dem Aufbau nachhaltiger Industrien einhergehen: Produktivität, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten steigen und neue Arbeitsplätze können geschaffen werden. Das stärkt die Kaufkraft und erhöht die Binnennachfrage. Ein positiver Wirtschaftskreislauf, von dem viele Unternehmen und Beschäftigte profitieren würden, käme in Gang.  

Der erste Entwurf der Studie ist unter folgendem Link zugänglich:

 

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