Produktion und Konsum auf nachhaltige Weise: Vision oder Alternative?

Der weltweite Bedarf an natürlichen Ressourcen ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Der Verbrauch ist mittlerweile so groß, dass das Ökosystem des gesamten Planeten in Gefahr ist. Die Folgen – Klimawandel, Umweltverschmutzung, zunehmende Verwüstung, usw. – werden durch nicht-nachhaltige Produktions- und Konsummuster und deren Ressourcenverbrauch verursacht. Es zeichnet sich jedoch ein gewisses Umdenken ab, denn grüne und fair-gehandelte Produkte werden immer stärker nachgefragt.

Unternehmen, die ein Umweltmanagementsystem implementieren und dadurch einen beträchtlichen Beitrag zum Umweltschutz beitragen, können dadurch auch einen Wettbewerbsvorteil erlangen. Neue Konsummuster (Stichwort: LOHAS) werden immer populärer. Konsumenten wollen sich schon vor dem Kauf über die Umweltauswirkungen des potentiellen Produktes informieren und ihre Kaufentscheidung auf der Grundlage objektiver Kriterien fällen. Es stellt sich die Frage, ob der Kauf nachhaltig produzierter Produkte ausreicht, um die globalen Umweltprobleme zu bekämpfen? Wahrscheinlich nicht, aber es ist der erste Schritt in eine umweltfreundliche Wirtschaft.

Was bedeutet nachhaltige(r) Produktion und Konsum?

Der Bereich nachhaltige(r) Produktion und Konsum (SCP) beschäftigt sich ganzheitlich mit Systemen der Produktion und des Konsums und versucht Lösungsansätze anzubieten, wie diese Systeme so transformiert werden können, dass ihre Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden. In diesem Kontext wird Konsum als Ressourcenverbrauch im weitesten Sinn verstanden. Dies schließt den Verbrauch der Industrie, der öffentlichen Hand und der Haushalte mit ein. Der Bereich SCP wirft einen kritischen Blick auf die gegenwärtigen Lebensstile und überprüft alternative Formen des Konsums, wobei das Paradigma des progressiven Wachstums hinterfragt wird.

SCP erkennt den Einfluss der Konsumenten, den sie durch ihre Nachfrage auf die Produktionsweise von Gütern nehmen können. Von einer nachhaltigen Produktion profitieren Umwelt, Mitarbeiter, Gemeinden und Unternehmen. Nachhaltige Produkte sind ressourcenschonend, haben weniger Auswirkungen auf die Umwelt und sind weniger schädlich für die Menschen (Lorek, 2009). Diese Umstände unterstützen die Wirtschaftlichkeit und Effizienz nachhaltiger Unternehmen, weil durch die Reduktion des Material- und Energieverbrauchs (die die Qualität nicht negativ beeinflusst) die Umwelt weniger belastet wird und in den meisten Fällen die Kosten gesenkt werden können.

Was genau macht SERI?

Der Bereich nachhaltige(r) Produktion und Konsum wendet verschiedene Methoden in unterschiedlichen Projekten an. Die häufigsten sind Produkt- und Unternehmensanalysen mit quantitativen Nachhaltigkeitsindikatoren. Durch diese Indikatoren ist es möglich, die Funktion des zu untersuchenden Produktes zu kategorisieren, zu realisieren und zu messen (der Begriff „Produkt“ bezieht sich sowohl auf Waren als auch auf Dienstleistungen). Zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen muss der gesamte Lebenszyklus – angefangen bei der Rohstoffgewinnung über die verschiedenen Fertigungsschritte bis zur Nutzung und Entsorgung – bewertet werden. Mit Hilfe des SERI-Indikatoren-Sets kann der Verbrauch von (erneuerbaren und nicht-erneuerbaren) Ressourcen, Wasser, Flächen und Treibhausgasen gemessen werden.

Die Berücksichtigung all dieser Kategorien unterstützt die Überprüfung von intermedialen Zusammenhängen und daher können alle Maßnahmen auf einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz ausgerichtet werden. Das SERI-Indikatoren-Set stellt daher ein praktikables und ganzheitliches Messinstrument dar, welches die Umweltauswirkungen eines Produktes, einer Dienstleistung, eines Unternehmens oder einer ganzen Branche abbildet.

Download: SERI-Briefing Sheet – Nachhaltiger Konsum und Produktion
Download: SERI-Briefing Sheet – Indikatoren Set

Der mögliche Beitrag der Gesellschaft
Unsere Gesellschaft muss neben der Reduktion des Ressourcen-, Energie- und Wasserkonsums auch darauf Wert legen, dass die Effizienz (von Konsumgütern) gesteigert wird. Im Übergang zu einer nachhaltigeren Welt spielen daher alle Mitglieder der Gesellschaft eine Rolle. Während Unternehmen dazu angehalten sind, in Lebenszyklen zu denken, können sich Konsumenten dadurch einbringen, dass sie bewusst nachhaltige Produkte (egal ob Lebensmittel, elektronische Geräte, Kleidung oder Dienstleistungen) kaufen. Das kritische Auseinandersetzen mit den eigenen Konsumgewohnheiten ist dabei ebenso wichtig, wie das Umdenken zu Service-Einheiten (Nutzungseinheiten), um damit einen gemeinschaftlichen Kauf und eine gemeinschaftliche Nutzung von Produkten zu ermöglichen. Einerseits muss die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen und eine Vorbildfunktion einnehmen. Andererseits ist es die Aufgabe der Wissenschaft, die Fragen der Gesellschaft hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung zu beantworten.

SERIs Beitrag
Der Bereich SCP führt auf der Grundlage der Bewertung von Umweltindikatoren, als auch von qualitativen Gesichtspunkten, strategische Beratung für Unternehmen, Organisationen und politische EntscheidungsträgerInnen durch, die ihren Ressourcenverbrauch und den ökologischen Einfluss von Produktion und Konsum reduzieren möchten.

SERIs SCP-Bereich agiert, entsprechend der Kompetenz seiner MitarbeiterInnen, auf verschiedenen Gebieten. Die wichtigsten Bereiche sind Landwirtschaft, Ernährung, Forstwirtschaft und erneuerbare Ressourcen, Verkehr und Mobilität, Bauen und Wohnen und IT- und Telekommunikation.

Eine Übersicht von Ergebnissen von Produktanalysen, die durch den Bereich SCP am SERI durchgeführt wurden (gerundete Zahlen):

Die Nullen drücken Werte kleiner als eins aus.

Hier kann eine umfassendere Liste der Produkte, die von der SERI SCP-Gruppe analysiert worden sind, heruntergeladen werden.

Hier ein kurzer Überblick über einige Projekte und weiterführende Links:

Netzwerk Footprint
SERI ist Mitglied beim Netzwerk Footprint, das österreichische Akteure aus der Wissenschaft und Praxis verbindet. Die Idee ist ein einheitliches Erscheinungsbild und die theoretische als auch praktische Weiterentwicklung des Footprinting zu unterstützen.

ECR – Messung und Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität von Produkten
Seit Sommer 2007 berät SERI die ECR Austria Initiative – eine Kooperationsplattform, die sich mit der Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette für ein schnelleres, besseres und günstigeres Konsumentenservice auseinandersetzt – zu Nachhaltigkeitsthemen. Ziel ist es, einen praktikablen und einheitlichen Standard zur Messung und Kommunikation von Nachhaltigkeit zu entwickeln.
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Ökologische Nachhaltigkeit SPAR
Seit September 2008 berät SERI Spar Österreich hinsichtlich der Verbesserung der Nachhaltigkeit im Unternehmen. Um den Status-quo der ökologischen Nachhaltigkeit der ausgewählten Unternehmensbereiche zu erheben – Gebäude, Transport, Fleisch und Eigenmarken – wurde ein umfassendes Indikatoren-Set auf der Basis des ökologischen Rucksacks verwendet. Auf den Ergebnissen der Bestandsaufnahme aufbauend wurden mögliche Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz identifiziert. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit Experten aus dem Unternehmen und mit Hilfe von Hot-Spot- Analysen.
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SPAR Schweinefleisch
Ein weiteres SERI-Projekt für SPAR analysierte unterschiedliche Arten der Schweinefleischproduktion: konventionell, biologisch und Gustino Stroh. Durch die Untersuchung der jeweiligen Produktionsmethode konnten verschiedene Szenarien modelliert werden. Durch Vergleich der Methoden untereinander und Ableitung der Best-Practice sollte eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs ermöglicht werden.
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Ecological Footprint IT – EcoFIT
Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Siemens IT Solutions and Services und der Plattform Footprint durchgeführt. Dabei führte SERI die Berechnung, Analyse und Präsentation des Ökologischen Fußabdrucks der österreichischen Siemens Tochtergesellschaft durch. Darüber hinaus wurde die dabei verwendete Methode für eine allgemeine Anwendung in der IT-Branche weiterentwickelt.
Details EcoFit
Details EcoFit2

Ökologischer Fußabdruck der rohstoffgewinnenden Industrie in Österreich
In enger Zusammenarbeit mit dem WWF Österreich und dem Forum mineralische Rohstoffe der Wirtschaftskammer Österreich wird in diesem Projekt der Ökologische Fußabdruck für die rohstoffgewinnende Industrie in Österreich berechnet und an die speziellen Anforderungen dieser Branche angepasst. Die Umlegung des Konzeptes des Ökologischen Fußabdrucks auf eine rohstoffgewinnende Branche ist eine methodische Innovation.
Details

Nachhaltiges Obst und Gemüse
Im Jahr 2008 entschloss sich REWE, der größte Lebensmitteleinzelhändler Österreichs, ein Verfahren zu entwickeln, das eine Bewertung und Kennzeichnung der Nachhaltigkeit konventionell hergestellter Lebensmittel ermöglicht. SERI hat als wissenschaftlicher Partner das Konzept zur ökologischen Nachhaltigkeitsbewertung mitentwickelt und bereits eine Vielzahl von Produkten, Verpackungssysteme und Verteil- und Energieversorgungsalternativen analysiert.
Details auf der SERI Website
Details auf der ProPlanet Website

Green Brands
SERI hat im Jahr 2010 die wissenschaftliche Beratung bei der Entwicklung des GREEN BRANDS Verfahrens durchgeführt. GREEN BRANDS ist eine internationale, unabhängige und selbständige Brand-Marketing-Organisation, die Marken, Produkte, Dienstleistungen, Unternehmenskampagnen und einzelne Personen für ihr Engagement im Umweltbereich auszeichnet. SERI arbeitete Kriterienkataloge für Unternehmen und Produkte in Kooperation mit ALLPLAN – die Umweltmanager – aus.
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EVES
Mit privatem Konsum gehen erheblicher Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen, allen voran im Personen- und Güterverkehr, einher. EVES zeigt auf, durch welche Faktoren dieser Energieverbrauch entsteht und wie er durch politisches und persönliches Handeln gezielt reduziert werden kann.
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